ANGST


Wenn man Angst vor dem Leben hat, dann bedeutet das, dass man vor einfach ALLEM und JEDEM Angst hat. Und irgendwie kann sich keiner vorstellen, wie sich das anfühlt, in jedem Winkel nach kleinen Dingen zu suchen, die einem keine Angst machen und sich an ihnen festzuhalten, wie an einer Boje im Ozean kurz vor dem Ertrinken.
Und würde man loslassen, dann würde das Ertrinken nicht nach ein paar Minuten aufhören. Nein, es würde Jahrzehnte andauern. Ab und an würde man vielleicht sogar wieder kurz an die Oberfläche kommen, aber auch nur, um weit voraus das Ufer zu sehen, an dem die anderen Menschen sich sonnen und ihr Leben genießen. Und man selbst weiß, dass man es nie bis dorthin schaffen wird. Weil man mit jedem Tag, der vergeht, ein Stück weiter vom Strand wegtreibt.
Ich habe unendliche und unbeschreibliche Angst vor dem Rest meines Lebens. Als würde ich es unter Wasser in Qualen des Ertrinkens verbringen. Es ist die Hölle auf Erden und niemand hört einen unter der Wasseroberfläche schreien. Im Vorbeischwimmen würde man nur das verwackelte Bild eines Tauchers sehen und der aufgerissene Mund würde aussehen, wie ein Lachen.

Keiner meiner Beiträge war bisher so schlecht verfasst. Das tut mir eigentlich leid, aber es zeigt meine derzeitige Situation umso deutlicher: Ich bekomme nichts mehr auf die Reihe. Alles, was ich beginne und vorher konnte, bringt kein ansatzweise gutes Ergebnis. Das, was in meinem Kopf ist, kann nicht mehr raus. Ich bin gefangen in meinem Kopf, unfähig, mich auszudrücken. Ich werde keinen Job finden, weil ich nichts mehr kann. Als hätte ich einen Schlaganfall erlitten. Und alles, was ich vor mir sehe ist ein Leben in Angst vor der Zukunft. Und mit jedem Tag, an dem ich wieder versage, verschlechtert sich die Aussicht auf meine Zukunft. Aber umbringen kann ich mich auch nicht. Ich kann nicht raus. Keine Ahnung, ob sich jemand vorstellen kann, welche Panik das auslöst? Ich kann es auch nicht annähernd beschreiben. Es ist alles Angst. Seit Wochen kommen atembeschwerden dazu. Ich bekomme kaum Luft, was die Angst noch verschlimmert, weil ich nicht mein restliches Leben mit Atemnot verbringen will. Ich habe noch nie so einen Beitrag geschrieben. Aber ich muss ihn so veröffentlichen, weil ich alles, was ich beschreiben kann, loswerden muss. Auch wenn es nicht annähernd alles ist. Denn es ist ALLES Angst!!


Anscheinend ist es wirklich notwendig, gewisse Dinge an mir zu ändern, wenn ich nicht immer die gleichen Erfahrungen machen will. Und das größte dieser Dinge ist meine Offenheit. Ich schäme mich nicht für das, was ich tue und denke. Zumindest zum Großteil nicht. Natürlich bin ich insgesamt nicht stolz darauf, dass ich arbeitslos und antriebslos bin. Aber ich weiß, warum es so ist und es macht mir nichts aus, es zu erzählen. Aber leider verschreckt es die Menschen, die ich kennenlerne. Und daraus resultiert ein ewiger Kreislauf aus Abweisung und steigender Unsicherheit. Einerseits möchte ich so akzeptiert werden, wie ich bin. Aber andererseits komme ich mit der Ablehnung nicht zurecht, wenn ich ehrlich zu anderen bin. Es wollen eben alle nur die fröhliche Maske an einem sehen. Meistens, weil sie selbst nach jemandem suchen, der sie aufbaut und antreibt. Jemanden, der sie noch weiter runterzieht kann keiner gebrauchen.

Das Problem ist nur, dass man sich nicht ewig verstellen kann und vielleicht erfährt man die Ablehnung lieber am Anfang, als dann, wenn einem schon zu viel an jemanden liegt. Andererseits würde jemand vielleicht bleiben, wenn er erst die ganzen guten Dinge kennenlernt und es dann nicht so bereitwillig wegwerfen wollen.

Ich weiß nicht, welcher der richtige Weg ist. Ich hoffe einfach, dass ich irgendwann einfach keine schlechten Dinge mehr über mich erzählen kann, weil ich irgendwann „gesund“ bin.

Allein


Eigentlich war das Schreiben immer etwas, das mir geholfen hat. Die Aufmerksamkeit fremder oder auch bekannter Menschen und deren Verständnis und Zuspruch haben mich – wenigstens für einen Moment – aufgebaut.

Leider ist mir das abhanden gekommen. So viele Menschen schreiben über die immer gleichen Gedanken und Probleme und ich frage mich immer häufiger, was es  bringt, meine Gedanken da noch unterzumischen. Einige Leute versuchen damit sogar ihren Unterhalt als selbst ernannte Journalisten zu verdienen. Und deswegen gibt es auch immer mehr Internetmagazine, die sich mit der immer gleichen Problematik beschäftigen: „Was soll ich aus meinem Leben machen?“ „Wie soll ich die große Liebe finden?“ „Wie erhalte ich meine Beziehung aufrecht?“ „Wie werde ich allein glücklich?“…
Und wie in jedem Lebensbereich frage ich mich „Wozu soll ich dann auch noch?“

Also versuche ich anstatt zu bloggen, allein mit meinen Problemen klarzukommen. Mache entweder etwas Gutes für mich und mache Sport oder koche. Versuche unter Menschen zu kommen. Oder ich greife zu Zigaretten und Alkohol und verkrieche mich in meinem Bett. Hin und wieder schaue ich mir andere Facebook- oder Instagramprofile an und versuche mein eigenes Leben nach deren Vorbild für andere interessant und aufregend darzustellen. Aber dann drängt sich mir die Frage auf „Unterscheide ich mich überhaupt von anderen, oder bin ich nur ein Abklatsch und eine Mischung aus allem, was mir bei anderen gefällt?“.

All diese Artikel über die Probleme der heutigen Gesellschaft lassen mich noch kleiner und noch unbedeutender fühlen. Wenn sich ich nichtmal meine Gedanken von denen anderer unterscheiden, was macht mich dann noch aus? Und statt verstanden oder mit anderen verbunden fühle ich mich noch einsamer, weil mir klar wird, dass alle allein sind. Jeder kämpft für sich allein. Die einen haben Glück und finden jemanden, der sie dabei begleitet. Aber mehr ist es auch nicht. Wir werden von Menschen begleitet, die ihre eigenen Probleme haben. Und wir begleiten sie.

Also versuche ich mich bewusst unabhängig von allem zu machen. Von Dingen, von Beschäftigungen und von Menschen. Weil das alles Ablenkungen vom Wesentlichen sind: von mir. Ich muss mit mir selbst leben. Auch ohne Arbeit, ohne Beschäftigung und ohne Gesellschaft. Einfach sein.

Niemand findet wirklich einen Zugang zu mir. Keiner versteht mich richtig. Und Schuld bin ich selbst. Ich baue eine Mauer um mich herum, die trotz aller Versuche, auszubrechen, immer größer wird. Meine engen Freunde werden immer weniger. Einige habe ich durch meine Paranoia schon vertrieben und der Gedanke, bis an mein Lebensende allein zu bleiben, wiegt immer schwerer. Und indem ich aufhöre darüber zu sprechen, versuche ich mich daran zu gewöhnen und darauf vorzubereiten.

Mit meinen Gedanken über das Leben könnte ich ganze Bücher füllen. Aber wozu sollte ich das versuchen – es gibt ja bereits hunderte davon. Also sitze ich schweigend in meinem Bett und spiele Handyspiele, bis ich müde genug bin zu schlafen. Um am nächsten Morgen wieder aufzustehen und zu versuchen mein Leben schweigend und pflichtbewusst, wie ein Roboter fortzuführen. Ohne mich darüber zu äußern. Und irgendwann vielleicht sogar ohne darüber nachzudenken. Vielleicht bin ich dann ja so etwas wie zufrieden.

Auf die Freundschaft!


Die Krankheit hat mal wieder gewonnen. Oder ich verloren. Oder vielleicht sind Freunde einfach nicht das, was ich darunter verstanden habe. Ich dachte, Freunde beziehen einen mit ins Gespräch, wenn man daneben steht. Ich dachte auch, Freunde sehen, wenn man allein in der Ecke steht. Und ich dachte, Freunde würden bemerken, dass man über eine halbe Stunde auf dem Toilettenboden liegt. Geschweige denn, dass jemand fragt, wo man ist, wenn man nach nur knapp 2 Stunden unauffindbar ist, weil man sich schon auf dem Heimweg befindet. Tja, ich Dummerchen. Stattdessen reden Freunde mit allen anderen und fragen am nächsten Tag, warum man denn so früh weg war.

Muss mich wohl entschuldigen, dass ich so eine naive Vorstellung von Freunden hatte.

Ich, mein bester Feind


Man soll sich selbst lieben, um geliebt zu werden – bla bla. Um ehrlich zu sein, finde ich das übertrieben. Wer sich selbst liebt, kann meiner Meinung keinen anderen Menschen lieben. Für mich bedeutet Liebe, eine Person zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen. Bis zur Selbstaufgabe. Würde ich hier von der Liebe zu meinem Kind sprechen, würde vermutlich keiner etwas dagegen einwenden. Spreche ich aber von Partnerschaft, ist es auf einmal völlig falsch so zu lieben. Warum? Wozu Liebe, wenn nicht 100%? Wozu Liebe, wenn ich genauso gut alleine klarkommen kann? Die Liebe, die ihr als „Ideal“ beschreibt, ist in meinen Augen verlogen und egoistisch. Weil sie euch nur als „Gesellschaft“ dient. Weil ihr zwar gut und gerne allein sein könntet, es zu zweit aber einfach lustiger ist. Für mich ist Liebe das Leben für einen anderen Menschen. Mit allem, was ich tue, bei ihm zu sein und ihn zu berücksichtigen. Und ihn genauso zu brauchen. Ich will einen Partner im Leben, weil ich ihn brauche. Weil ich mich alleine unglücklich und verloren fühle in dieser Welt. Denn diese Welt ist egoistisch und kalt. Das gesamte Universum ist gleichgültig. Es gibt keinen Sinn im Leben, außer dem Fortbestand und der Weiterentwicklung. Und das nur durch einen Zufall.

Sein Leben mit dieser Erkenntnis allein zu bestreiten ist wahnsinnig deprimierend und frustrierend. Deswegen suchen wir uns Begleiter, denen wir einen Sinn in unserem Leben anheften können. Je mehr wir jedoch nach dieser Person suchen, je verzweifelter wir in dieser Welt sind, desto schwerer wird es und desto weniger wollen Menschen mit uns zu tun haben. Weil wir als „anstrengend“ empfunden werden. Im Grunde liegt die Erfolgschance für eine Partnerschaft also nicht bei der Liebe zu uns selbst, sondern bei der Gleichgültigkeit gegenüber dem gesamten Leben. Menschen, die sich keine Gedanken über Sinn oder Unsinn machen und einfach nur tun, was von ihnen verlangt wird und dabei noch etwas Schönes daran finden können.

Ist man dazu jedoch nicht in der Lage, ist man dazu verdammt, alleine mit seinen Sorgen und Zweifeln zurechtzukommen. Quasi als Strafe dafür, das System anzuzweifeln. Und schon beginnt der Teufelskreis aus Einsamkeit, Selbsthass und Verzweiflung. Denn man wird dazu verdammt mit der Person, die man ist, allein zu sein. Die Person, die Schuld daran ist, dass man allein ist, weil sie einem all diese Dinge von fehlendem Sinn erzählt hat. Und um das je zu ändern, soll man diese Person nun lieben lernen. Die Person, die der Grund für alle Zweifel und Ängste ist. Plötzlich soll man ihr dankbar sein und froh darüber, dass es sie gibt. Sie bewundern und wertschätzen. Das ist so, als müsste man seinem ärgsten Feind dafür danken, dass er einen stets gemobbt und beleidigt hat. Die Aussicht darauf, mein restliches Leben mit dieser Person verbringen zu müssen, ist alles andere als ermutigend für mich.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich multiple Persönlichkeitsstörungen entwickeln, aber gerade fühlt es sich so an, als würde ich mich spalten. In ein inneres und ein äußeres Ich. Ich fühle mich, als wäre ich gefangen in meinem äußeren Ich und dem ausgeliefert, was es tut. Als müsste mein inneres „wirkliches“ Ich stets mit den Konsequenzen leben, die mein äußeres, handlungsfähiges Ich, verursacht. Und als hätte es keinerlei Kontrolle über das, was es tut. Mein inneres Ich kann nur reden. Es ist mein Gewissen. Aber es kann das äußere Ich nicht kontrollieren. Wie ein Roboter, der außer Kontrolle geraten ist und ein Eigenleben entwickelt hat.

Ich müsste eine Therapie machen, ja. Da ich jedoch weiß, dass diese bezweckt, mich in eine gleichgültige Maschine zu verwandeln, die aufhört, Dinge zu hinterfragen und stattdessen die schönen Dinge im Leben genießt, habe ich Angst davor. Angst, mich zu verlieren. Zusätzlich ist mir auch völlig unklar, wie Gedanken meine Emotionen beeinflussen sollen. Ich weiß schließlich bereits jetzt, was ich in bestimmten Situationen empfinden sollte. Aber egal, wie viele logische Argumente ich mir vorlege – an dem schmerzenden Gefühl von Enttäuschung und Abweisung ändert das rein gar nichts.

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Artikel irgendeinen Sinn ergibt, oder überhaupt etwas aussagt. Alles, was ich empfinde ist Verwirrung und Unklarheit, was ich eigentlich will und wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht, ob sich alles ändern würde, wenn ich jemanden finde, der mich liebt, oder ob es alles komplizierter machen würde. Ich fühle mich einfach allein und irgendwie ausgeschlossen. Hauptsächlich ausgeschlossen, weil ich nicht die gleiche Freude für manche Dinge empfinden kann, wie andere. Sie erscheinen mir einfach so bedeutungslos in diesem großen schwarzen Loch von Universum. Und ich weiß nicht, wie ich das ändern soll.

Keine Ruhe


Es ist niemand da. Man denkt immer, es gibt so viele Menschen, die für einen da sind. Aber in diesen Momenten ist nie jemand da. Nicht, dass man in diesen Momenten jemanden um sich haben wöllte, aber es ist der einzige mögliche Schutz vor sich selbst. Denn es wird immer schwerer, nicht auf sich selbst zu hören und die inneren Stimmen zu ignorieren. Natürlich müsste man sich Hilfe suchen. Aber man will keine Hilfe, sondern dass es aufhört. Dass alles endlich aufhört. Keine Gedanken mehr, keine Gefühle mehr, keine Aufgaben mehr. Einfach Ruhe. Es ist verdammt schwer, dabei noch an all die anderen zu denken, denen man weh tun würde, wenn es in einem so laut schreit, dass man kaum noch etwas anderes um sich herum wahrnehmen kann.

Alles in mir schreit und tut so höllisch weh. Die kleinen Schnitte können das nicht mehr ausgleichen. Die Ventile sind einfach zu klein. Ich brauche den großen Schnitt, das große Ventil, dass alles aus mir rauslässt bis Ruhe einkehrt.


Entweder bin ich ein sehr böser oder ein sehr kranker Mensch, aber ich wünschte, ihr würdet alle während eurer glücklichen Momente an Herzversagen sterben. Dann wäre ich irgendwann wirklich so allein, wie ich mich fühle. Und weil mir dann keiner mehr böse sein kann, könnte ich mich endlich umbringen. ZACK – Problem erledigt.