Allein


Eigentlich war das Schreiben immer etwas, das mir geholfen hat. Die Aufmerksamkeit fremder oder auch bekannter Menschen und deren Verständnis und Zuspruch haben mich – wenigstens für einen Moment – aufgebaut.

Leider ist mir das abhanden gekommen. So viele Menschen schreiben über die immer gleichen Gedanken und Probleme und ich frage mich immer häufiger, was es  bringt, meine Gedanken da noch unterzumischen. Einige Leute versuchen damit sogar ihren Unterhalt als selbst ernannte Journalisten zu verdienen. Und deswegen gibt es auch immer mehr Internetmagazine, die sich mit der immer gleichen Problematik beschäftigen: „Was soll ich aus meinem Leben machen?“ „Wie soll ich die große Liebe finden?“ „Wie erhalte ich meine Beziehung aufrecht?“ „Wie werde ich allein glücklich?“…
Und wie in jedem Lebensbereich frage ich mich „Wozu soll ich dann auch noch?“

Also versuche ich anstatt zu bloggen, allein mit meinen Problemen klarzukommen. Mache entweder etwas Gutes für mich und mache Sport oder koche. Versuche unter Menschen zu kommen. Oder ich greife zu Zigaretten und Alkohol und verkrieche mich in meinem Bett. Hin und wieder schaue ich mir andere Facebook- oder Instagramprofile an und versuche mein eigenes Leben nach deren Vorbild für andere interessant und aufregend darzustellen. Aber dann drängt sich mir die Frage auf „Unterscheide ich mich überhaupt von anderen, oder bin ich nur ein Abklatsch und eine Mischung aus allem, was mir bei anderen gefällt?“.

All diese Artikel über die Probleme der heutigen Gesellschaft lassen mich noch kleiner und noch unbedeutender fühlen. Wenn sich ich nichtmal meine Gedanken von denen anderer unterscheiden, was macht mich dann noch aus? Und statt verstanden oder mit anderen verbunden fühle ich mich noch einsamer, weil mir klar wird, dass alle allein sind. Jeder kämpft für sich allein. Die einen haben Glück und finden jemanden, der sie dabei begleitet. Aber mehr ist es auch nicht. Wir werden von Menschen begleitet, die ihre eigenen Probleme haben. Und wir begleiten sie.

Also versuche ich mich bewusst unabhängig von allem zu machen. Von Dingen, von Beschäftigungen und von Menschen. Weil das alles Ablenkungen vom Wesentlichen sind: von mir. Ich muss mit mir selbst leben. Auch ohne Arbeit, ohne Beschäftigung und ohne Gesellschaft. Einfach sein.

Niemand findet wirklich einen Zugang zu mir. Keiner versteht mich richtig. Und Schuld bin ich selbst. Ich baue eine Mauer um mich herum, die trotz aller Versuche, auszubrechen, immer größer wird. Meine engen Freunde werden immer weniger. Einige habe ich durch meine Paranoia schon vertrieben und der Gedanke, bis an mein Lebensende allein zu bleiben, wiegt immer schwerer. Und indem ich aufhöre darüber zu sprechen, versuche ich mich daran zu gewöhnen und darauf vorzubereiten.

Mit meinen Gedanken über das Leben könnte ich ganze Bücher füllen. Aber wozu sollte ich das versuchen – es gibt ja bereits hunderte davon. Also sitze ich schweigend in meinem Bett und spiele Handyspiele, bis ich müde genug bin zu schlafen. Um am nächsten Morgen wieder aufzustehen und zu versuchen mein Leben schweigend und pflichtbewusst, wie ein Roboter fortzuführen. Ohne mich darüber zu äußern. Und irgendwann vielleicht sogar ohne darüber nachzudenken. Vielleicht bin ich dann ja so etwas wie zufrieden.

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3 responses to “Allein”

  1. etappenwaise says :

    Ich finde, du solltest für dich selber schreiben. Nicht für irgend wen, nur für dich. Wenn es andere dann auch noch schön finden das zu lesen, wunderbar. Mir hilft das schreiben meine Gedanken zu ordnen und wenn dabei noch etwas lesbares entsteht, wunderbar. Wenn nicht, auch gut.

    Ich hoffe sehr, dass du deiner Abwärtsspirale irgendwann entkommen kannst. Ich wünsche es dir. Ja, das Leben ist schwer, keine Frage, manchmal ist das ein richtiger Kampf, ein Krampf, ein großer Haufen Scheiße. So schlimm, dass man sich wünscht, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen… Aber wir haben halt nur dieses eine Leben und aus dem müssen wir nunmal das Beste rausholen, was wir können.

    Ich mag die Art, wie du schreibst und egal wie viele Leute es vor dir getan haben oder nach dir tun, so bleiben deine Gedanken doch einzigartig. Ich hoffe, du schreibst weiter.

    Also gib nicht auf. Hör nicht auf zu kämpfen. Es gibt noch Wunder auf dieser Welt, ich weiß es, ich habe eines erlebt, welches mich in meiner dunkelsten Stunde gerettet hat. Das wünsche ich auch dir!

    • m44dmoiselle says :

      Danke dir 🙂 Das klingt toll. Dein Wunder. Ich bin gespannt, was noch so kommt. Ich hoffe einfach, dass ein paar gute Sachen dabei sind in der Zukunft.

  2. zeitspiegel says :

    Ja, wir sind allein. Das ist die Bewusstwerdung des Mensch sein. Aber dennoch sind Verbindungen, Bindungen zu anderen Menschen sinnvoll, notwendig und glückstiftend. Auch die Erkenntnis, das man niemand aussergewöhnliches ist, ist nicht schlecht, im Gegenteil. Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist nicht aussergewöhnlich, aber jeder hat eine besondere Mischung aus individuellen Eigenschaften. Aussergewöhnliche Menschen sind nicht selten aus nicht wünschenswerten Gründen aussergewöhnlich, sei es Druck der Eltern, Egoismus, Gier etc.
    Sei Du.

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