Archive | Februar 2012

Anfang und Mittelteil von Etwas, das auf ein Ende wartet – Zwischenstopp im Halteverbot


Es sieht aus, wie das Ziel, aber es fühlt sich an, wie der Anfang. Der Tag sieht aus, wie Alltag. Aber die Woche fühlt sich an, wie Ohnmacht. Ohne Sinn. Tagein, tagaus die selben Regeln. Aber keine davon sind die Richtigen. Die Regeln für`s Leben. Die Regeln, die bestimmen, dass dein Leben gut ist. Alles ist verdreht und passt nicht so recht. Puzzleteile, die aufeinander liegen und ein verschwommenes Bild von dem ergeben, was es sein soll, aber sie passen nicht ineinander. Hin und wieder passen zwei – aber das Dritte und Vierte haben die falschen Enden.
Du hast deine Vorstellung von diesem Bilderbuch-Leben. Doch was du hast, ist ein Rahmen, der zu groß ist – das Bild passt nicht hinein. Es wackelt.
Wie soll man beschreiben, was nicht greifbar ist? Glück. Glück ist die Abfolge vieler Dinge, die mich glücklich machen. Aber sind die Dinge, die sich täglich aneinander reihen, Dinge, die mich glücklich machen? Oder vielleicht machen sie mich glücklich, sind am Ende aber falsch. Und sie ergeben nur ein großes Unglück. – Plus und Plus gleich Minus.

Anstrengend, die Gedanken zu fassen. Hab ich ja auch nie Zeit dafür. Denn es ist immer jemand da, der die Gedanken festhält und sie auf sich lenkt. Und wenn ich dann alleine bin, bin ich von viel zu vielen nicht gedachten Gedanken überfordert. Ich kann überhaupt nicht mehr alleine sein. Bin ich nicht allein, vermisse ich die Einsamkeit. Bin ich dann allein, vermisse ich Gesellschaft. Ich kann nicht denken. Ich will das Alleinsein auskosten, aber es ist nichts da, das schmecken würde. Zeit fühlt sich an, wie Nadelstiche, die zu jeder Stunde schmerzen, wenn sie mich in die Seite pieken um zu zeigen, dass ich sie nicht nutze während sie viel zu schnell vorübergehen.
Das Problem an so viel Zweisamkeit ist doch, dass am Ende nichts mehr bleibt, was dir gehört. Und dann fängst du an die kläglichsten Sachen zu verheimlichen. Du hast ein schlechtes Gewissen – aber sie gehören dir. Und dann wirst du träge. Immer alles zu erzählen – Was hast du gemacht? – Wie war die Arbeit? das strengt an. Es strengt wahnsinnig an. Und innerlich die schönsten Monologe. Aber sie scheinen nicht durch die Lippen zu passen. Wenn du sie ausspukst sind sie nur noch ein unförmiger Klumpen Ereignislosigkeit für den du dich schämst. Also steckst du ihn zurück, bevor ihn einer sieht. Dein Leben ist ja auch nicht so aufregend. Was passiert da schon. Aufstehen, Arbeit, Feierabend, Alltagstrott und dann Schlafen. Es ist egal, ob es anderen genauso geht. Wenn sie es dir erzählen interessiert es dich kaum. Aber es ist mehr wert als alles, was du erzählen kannst. Aber du erinnerst dich, dass dich erst heute etwas völlig aus dem Häuschen gebracht hat. Am liebsten hättest du es gleich allen erzählt. Aber du siehst sie ja erst in ein paar Stunden. Und eine Stunde später ist es schon wieder unwichtig.

Das Problem an zu viel Verschwiegenheit ist ja, dass irgendwann keiner mehr da ist, der darauf wartet von dir zu hören.

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