Archive | Februar 2011

Ich will schlafen – jetzt!


Hier eine Geschichte, von der ich nie erwartet hätte, dass sie MIR je passieren würde. Ich war schon oft betrunken, es ging mir auch schon sehr oft sehr schlecht. Ich lag auch schon auf diversen Treppen, in Garderobentüren, auf Fußböden.. Aber alles auf der Basis „ich schlafe jetzt hier, verdammt, weil es verdammt nochmal bequem ist!“ An gravierende Black-outs kann ich mich nicht erinnern. Ja, logisch! – aber ich meine doch, meine Grenze nie überschritten zu haben- ich hab ja noch nichtmal von Alkohol gekotzt, um es jetzt mal kurz auf den Punkt zu bringen! Ob das nun an meinem äußerst robusten Magen oder wirklich an meiner Selbstkontrolle liegt, kann ich nicht zu hundert Prozent sagen. Ich möchte euch hier an dieser Stelle aber dringend  davor warnen, die Wirkung von Alkohol zusammen mit Medikamenten zu unterschätzen:

Es war also an einem Freitag abend im schönen *PIEP* und wir waren, schon etwas angeshakert durch Sekt und Vodka-Maracuja, auf dem Weg ins *PIEP*. Ich wusste nicht genau, wie es sich verhalten würde, wenn ich nun weitertrinke, da ich seit Beginn der Behandlung mit gewissen Stimmungsaufhellern nicht mehr als ein oder zwei Gläser Wein, Sekt oder Bier getrunken hatte. Aber ich war der Meinung, es sollte doch gehen, da nirgends stand, ich muss komplett auf Alkohol verzichten. Nachträglich fand ich sogar die Anmerkung „Wechselwirkungen mit Alkohol sind nicht zu erwarten“ – gut, lass ich jetzt einfach so stehen. Und da ich mir sicher war, dass ich meinen Alkoholkonsum aus Erfahrung kontrollieren und meine Grenze rechtzeitig erkennen würde, machte ich mir keine weiteren Sorgen.
Sagen wir so – ich wunderte mich vielleicht ein wenig über meine Motivation, trotz vorangeschrittener Stunde und keinem außergewöhnlichen Grund, mich auf den Club zu freuen, so schnell wie möglich an unser Ziel zu gelangen. Denn normalerweise bin ich in letzter Zeit die Erste, die die Lust verlässt, nach einem schönen abend mit den Mädels auf der Couch noch irgendwohin aufzubrechen und stattdessen froh bin, einfach zu Hause ins Bett klettern zu können.

Aber so standen wir nun pünktlich am Treffpunkt, an dem wir von unserer Freundin und zwei ihrer Kumpels mit dem Auto eingesammelt werden sollten, als uns die Nachricht erreichte, dass besagtes Auto in der Polizeikontrolle steht. Aber auch das minderte meine Lust auf den Abend kein Bisschen und auch, dass die nächste Bahn erst in einer halben Stunde kam, war mir relativ egal. Wir würden schon ankommen, dachte ich und kalt war mir – der größten Frostbeule aller Zeiten – anscheinend auch nicht besonders.
Zwischendurch fiel mir an der Haltestelle jemand auf, der mir bekannt vorkam. Unsicher, ob er es war oder nicht, schaute ich ihn immer wieder an und sagte meiner Freundin, dass ich glaube, es sei mein Auftraggeber mit der wahnsinnig tollen Stimme am Telefon. Während ich ihr vorschwärmte, wie ich bei unseren Telefonaten jedes Mal dahinschmelze (die versauten Details in meinem Kopf lies ich dabei weg) meinte sie, er würde auch schon die ganze Zeit her schauen. Und somit sicher, dass er es war und er mich wohl ebenfalls erkannt haben musste, traute ich mich dann auch zu ihm rüber zu gehen. Im Nachhinein glaube ich, dass das wohl ein peinlicher Fehler war, denn, er war es zwar wirklich, aber scheinbar hatte er uns keineswegs angeschaut, weil ich ihm bekannt vorkam. Etwas überrascht begrüßte er mich also nach ein paar Sekunden, die er zur Erkennung brauchte und unsicher, wie ich selbst, deutete er nach kurzer Überlegung eine Umarmung an – war ja alles per Du bei uns. Blöderweise war mein Gleichgewichtssinn scheinbar zu diesem Zeitpunkt bereits etwas angeschlagen, so dass ich ihm bei der netten Geste erstmal auf den Fuß trat. Es folgte ein Smalltalk, begleitet von immer wieder unsicheren Blicken von ihm, die ich im Nachhinein als Zeichen seiner Scham deutete, da ich mir vorstellen kann, dass man mir einen gewissen Pegel schon ansah – größer war jedoch meine Sorge, dass man ihn auch roch. Glücklicherweise beendete seine Bahn nach 3 Minuten das Gespräch und nach 5 Minuten besorgten Grübeln, ob ich mich nun bis auf die Knochen blamiert hatte oder nicht, machten wir uns auf den Weg zur nächsten Haltestelle, da unsere Freundin im warmen Auto inzwischen einen Drogentest durchlief.

Nach weiteren Minuten des Wartens und der Nachricht, dass unsere Freundin und einer ihrer Begleiter nun allein mitten auf der Straße im Auto saßen, weil ihr Fahrer wegen nachgewiesenem Ecstasy im Blut auf die Polizeiwache entführt worden ist (ich möchte anmerken, dass ich keine Ahnung habe, wer diese Kumpels waren und mit jeglichen chemischen Drogen hatte ich auch nie was zu tun), stiegen wir also in die Bahn und fuhren allein in den wohl bekanntesten Teil unserer Stadt. Wofür dieser Stadtteil so bekannt ist, zeigt wohl auch der folgende Zwischenfall auf unserem Weg in den Club. Denn kaum aus der Bahn gestiegen, bekam ich meinen ersten Lachanfall des abends, welcher von reichlich Kommentaren unserer Mitmenschen begleitet und für meine Freundin äußerst peinlich war. Bis mir plötzlich das Lachen im Hals stecken blieb, als ich mit voller Wucht von vorne angerempelt wurde. Natürlich blieb das nicht kommentarlos von mir, was zur Folge hatte, dass der Typ genau das bekam, was er wollte – er hat es geschafft uns zu provozieren. Um das zu demonstrieren, landete meine Freundin gleich mal auf dem neben uns parkenden Auto. Da ich mit Schlägereien nun wirklich keine Erfahrung habe und ein paar Meter weiter noch sein Kumpel lauerte, beschloss ich, meine Freundin bei der Hand zu nehmen und sie wegzuziehen. Unter diversen Beschimpfungen und einem Tritt, den er mir zum Abschied noch gab, zogen wir also unbeirrt weiter. Zu dem Zeitpunkt dachten wir wirklich, das würde unser Highlight des abends werden und ich malte mir jetzt schon aus, wie ich die Situation immer wieder breit und ausgiebig vom Besten geben würde. Außer mir scheint sich allerdings, nach den darauffolgenden Begebenheiten, keiner mehr sonderlich um diesen Vorfall zu kümmern…

Im Club angekommen, entschieden wir, nach einem kurzen erfolglosen Abstecher in alle Räume um zwei Freundinnen von mir zu suchen, doch alkohol-technisch erstmal nachzurüsten. „Einen Tequila Silver, einen Tequila Gold und zwei Heineken bitte“. Danach folgte ein kurzer Gang auf die Tanzfläche. Nach den ersten Grabschereien von besoffenen Typen hatten wir aber beizeiten die Nase wieder voll und ich entdeckte auch glücklicherweise meine Freundinnen an der Bar. An den genauen Ablauf anschließend erinnere ich mich nicht mehr ganz. Ich weiß nur, dass wir noch ein Bier bestellt hatten und am Rand der Tanzfläche über irgendwelche Typen lästerten. Worauf ich meinen nächsten Lachanfall bekam. Dieser sorgte nach 10 Minuten aber für reichlich verwunderte und besorgte Blicke bei meinen Freundinnen und sie drückten mich Richtung Ausgang. Auf halben Weg standen wir mitten in einem Gerangel und mich – immernoch lachend – blickte ein fremdes Mädchen an und ich glaube, sie fragte mich, ob es mir gut geht. Ich lächelte freundlich, meinte ja und entschloss mich daher auch gleich, an Ort und Stelle zu schlafen. Was dann folgte, bekam ich nur aus weiter Entfernung mit – ich wurde von vier Händen und der Stimme meiner Freundin die Treppen des Clubs hinuntergetragen und am Eingang praktischer Weise gleich auf dem Garderobentisch abgelegt. Meine Freundin sagte mir, dass sie da sei, woraufhin ich ihre Hand drückte – zu allem anderen war ich einfach zu müde. Sie wollte mir noch eine Geschichte von ihrer kleinen Nichte erzählen, aber da wurde sie auch schon unterbrochen und ich auf eine Trage gelegt und in den Krankenwagen geschoben.

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Irgendwo zwischen überfordert, enttäuscht und gelangweilt…


Es gibt genau eine Person, die mich versteht und mir nichts vorwirft, was ich falsch mache. Die Verständnis hat für Dinge, die ich „ertragen“ muss, mit denen ich irgendwie zurechtkommen muss, die andere nicht sehen oder einfach nicht nachvollziehen können. Sie bemitleidet mich deswegen keineswegs, sie sagt mir aber, dass ich es toll mache, wie ich damit umgehe. Und sie sagt mir, was ich machen kann – und irgendwie auch nicht. Irgendwie weiß ich es selbst und sie weiß, dass ich im Moment nicht alles so schaffe, wie ich es will und sagt mir, dass es ok ist. Es ist ok, kleine Schritte zu machen.
Alle anderen scheinen diese Geduld nicht zu haben. Sie scheinen nicht zu verstehen, wie viel Kraft mich ein für sie normaler Tagesablauf kostet. Der Kopf will, aber der Körper schafft es nicht und sagt „ich will schlafen, frag mich morgen wieder“. Ich kann dagegen ankämpfen, aber wirklich effektiv nutzen kann ich die Zeit nicht, denn auch der Kopf streikt nach einer Weile. Tausend Gedanken, die auf mich zu rasen und ich kann die Information einfach nicht ordnen. In meinem Kopf herrscht Chaos und gleichzeitig ist da eine Leere, die nichts ausfüllen kann. Es ist, als würde mir etwas fehlen, ein entscheidendes Puzzleteil, das so winzig ist, dass ich es übersehe, aber dabei so wichtig, dass es mein Leben vollständig machen würde. Ich suche es in Aufgaben. In Dingen, die ich erledigen muss und kurzzeitig ist es, als ob es in Ordnung wäre. Aber sobald ich etwas fertig habe, stehe ich vor der riesigen Mauer mit der Aufschrift „Anfang deines richtigen Lebens“, die ich einfach nicht überwinden kann. Manchmal gelingt es mir, mit kurzen Sprüngen einen Blick auf die andere Seite zu erhaschen und ich weiß, was ich tun kann. Aber dann kommt etwas Unvorhergesehenes und setzt noch einen weiteren Ziegel auf die Mauer.

Viele fragen sich, was mit mir los ist, wo ich bin. Denn bei ihnen bin ich selten.
Ich bin bei mir. Einfach nur bei mir. Und es tut gut! Aber ich bin auch einsam… Mir fehlt ein Mensch, den ich anschauen kann und der genau sieht, wie es mir geht, ohne dass ich reden muss. Der jedes Detail meines Lebens kennt, dem ich nichts erklären muss und der weiß, was ich brauche, wenn etwas passiert. Aber davor, diesen Menschen zu suchen, habe ich mehr Angst, als vor all diesen schlimmen Sachen, die sich „Bürokratie“, „Behörden“ „Arbeit“, „Geld“ … nennen. Denn die können mich ablehnen – aber treffen sie mich damit nicht ins Herz. Kurzzeitig können sie mich zwar verunsichern, aber ich kann an ihren Aufgaben wachsen, denn ich bin bei ihnen kein Mensch, sondern nur eine „Sache“, die bearbeitet wird. Dieser Mensch, jedoch, würde sehen, wie menschlich ich bin und wie fehlerbehaftet. Dass ich nach dem Aufstehen alles andere als Hübsch aussehe, dass ich Angst habe, mehr als alles andere, ihn zu verlieren, ihm nicht zu genügen, ihm nicht gerecht zu werden, falsch zu handeln, falsche Entscheidungen zu treffen. Dass ich manchmal faul bin und pessimistisch. In manchen Dingen. Erstmal! Denn dann kommen meine guten Seiten. Aber bisher hat keiner Interesse daran, die zu sehen und überhaupt bis zu diesen vorzudringen. Manchmal ist es deren Schuld, und manchmal meine. Für die einen bin ich die Unnahbare, an die einfach kein Rankommen für sie ist, weil ich es leid bin, zu sprechen – zu erklären, was ich nicht erklären kann. Und für die anderen bin ich die naive, aufopfernde, anschmiegsame und fast bettelnde Liebende. Vor ihnen stehe ich dann und nutze, ohne etwas dagegen tun zu können, jedes Wort ihrer Ablehnung als Klinge, um ihnen vor ihren Augen ein weiteres Stück meines Herzens herauszuschneiden, um es ihnen auf dem Silbertablett zu präsentieren. Das macht ihnen Angst und bewirkt, dass sie vor mir weglaufen, weil sie mir nicht im Ansatz geben können, was dem, was ich ihnen biete, gerecht wird.

Aber in erster Linie sehne ich mich nach dem „Leben“. Sei es dieser Mensch oder eine andere Sache, die es ausfüllt. Mir ist trotz der häufigen Überforderung so unsagbar langweilig, dass ich fast wahnsinnig werde! Ich glaube aber, dass ich noch eine Menge Geduld aufbringen muss, um diesen Punkt zu überwinden. Die einen nennen es „mit sich selbst im Reinen sein“, die anderen „zur inneren Mitte finden“. Nun – ich halte sowohl Reinigunsmittel, wie auch Navi bereit! Nur bisher führt es mich hin und wieder auf den falschen Weg – bleibt zu hoffen, dass ich immer wieder auf den richtigen Weg zurück finde und irgendwann ans Ziel komme…

Hallo Seelenfrieden – wie lange bleibst du dieses Mal?


Aus irgendeinem Grund scheint es schwer zu fallen, etwas aus dem Leben zu berichten, wenn man einfach zufrieden ist. Vielleicht nicht unbedingt glücklich. Aber auch nicht unglücklich. Dann hört man auf, nachzudenken. Der Gedankenapparat scheint praktisch nicht zu funktionieren, wenn man nichts hat, worüber man sich aufregen kann, was einen traurig macht. Keine bohrenden Fragen „Warum?“ „Was hab ich falsch gemacht?“ „Was kann ich tun?“ „Wie kann ich das jetzt in Ordnung bringen?“
Ich finde, das zeigt auf eine Weise, wie undankbar wir sind. Warum schreiben wir nicht jeden Tag, den wir unter den vielen unglücklichen, einfach mal zufrieden sind, Lobeshymnen darüber? Müssten wir nicht jeden Tag dankbar sein und aller Welt zeigen, wie schön das Leben gerade ist? Das geht aber wiederum nur, wenn wir verliebt sind. Wenn wir das Gefühl haben, die Welt umarmen zu wollen und so glücklich sind, dass wir das Gefühl haben, das Herz will uns aus der Brust springen.
Aber wenn wir einfach nur zufrieden sind… Kommt nichts. Keine Gefühlsregungen, die wir den anderen berichten wollen. Alles scheint etwas weniger bedeutungsvoll. Fast langweilen wir uns, weil nichts passiert, womit wir unseren Geist beschäftigen können. Nichts, wogegen wir ankämpfen können, nichts, wovon wir uns ablenken müssen. Wir haben den Kopf frei für die wesentlichen Dinge. Aber sie berühren uns nur selten.

Ich glaube, ich sollte diese ruhige Zeit, solange ich kann, genießen. Und das hier ist meine Danksagung an meinen Seelenfrieden, den ich solange auskosten werde, wie ich kann! Bis der Stress der Arbeit ihn wieder nieder malmt, irgendein Mann mir die innere Ruhe stiehlt und ich als Nervenbündel in meinem Bett liege und mich bohrend frage, wie ich wieder zu diesem Punkt zurückkehren kann.