Archive | Juli 2015

Allein


Eigentlich war das Schreiben immer etwas, das mir geholfen hat. Die Aufmerksamkeit fremder oder auch bekannter Menschen und deren Verständnis und Zuspruch haben mich – wenigstens für einen Moment – aufgebaut.

Leider ist mir das abhanden gekommen. So viele Menschen schreiben über die immer gleichen Gedanken und Probleme und ich frage mich immer häufiger, was es  bringt, meine Gedanken da noch unterzumischen. Einige Leute versuchen damit sogar ihren Unterhalt als selbst ernannte Journalisten zu verdienen. Und deswegen gibt es auch immer mehr Internetmagazine, die sich mit der immer gleichen Problematik beschäftigen: „Was soll ich aus meinem Leben machen?“ „Wie soll ich die große Liebe finden?“ „Wie erhalte ich meine Beziehung aufrecht?“ „Wie werde ich allein glücklich?“…
Und wie in jedem Lebensbereich frage ich mich „Wozu soll ich dann auch noch?“

Also versuche ich anstatt zu bloggen, allein mit meinen Problemen klarzukommen. Mache entweder etwas Gutes für mich und mache Sport oder koche. Versuche unter Menschen zu kommen. Oder ich greife zu Zigaretten und Alkohol und verkrieche mich in meinem Bett. Hin und wieder schaue ich mir andere Facebook- oder Instagramprofile an und versuche mein eigenes Leben nach deren Vorbild für andere interessant und aufregend darzustellen. Aber dann drängt sich mir die Frage auf „Unterscheide ich mich überhaupt von anderen, oder bin ich nur ein Abklatsch und eine Mischung aus allem, was mir bei anderen gefällt?“.

All diese Artikel über die Probleme der heutigen Gesellschaft lassen mich noch kleiner und noch unbedeutender fühlen. Wenn sich ich nichtmal meine Gedanken von denen anderer unterscheiden, was macht mich dann noch aus? Und statt verstanden oder mit anderen verbunden fühle ich mich noch einsamer, weil mir klar wird, dass alle allein sind. Jeder kämpft für sich allein. Die einen haben Glück und finden jemanden, der sie dabei begleitet. Aber mehr ist es auch nicht. Wir werden von Menschen begleitet, die ihre eigenen Probleme haben. Und wir begleiten sie.

Also versuche ich mich bewusst unabhängig von allem zu machen. Von Dingen, von Beschäftigungen und von Menschen. Weil das alles Ablenkungen vom Wesentlichen sind: von mir. Ich muss mit mir selbst leben. Auch ohne Arbeit, ohne Beschäftigung und ohne Gesellschaft. Einfach sein.

Niemand findet wirklich einen Zugang zu mir. Keiner versteht mich richtig. Und Schuld bin ich selbst. Ich baue eine Mauer um mich herum, die trotz aller Versuche, auszubrechen, immer größer wird. Meine engen Freunde werden immer weniger. Einige habe ich durch meine Paranoia schon vertrieben und der Gedanke, bis an mein Lebensende allein zu bleiben, wiegt immer schwerer. Und indem ich aufhöre darüber zu sprechen, versuche ich mich daran zu gewöhnen und darauf vorzubereiten.

Mit meinen Gedanken über das Leben könnte ich ganze Bücher füllen. Aber wozu sollte ich das versuchen – es gibt ja bereits hunderte davon. Also sitze ich schweigend in meinem Bett und spiele Handyspiele, bis ich müde genug bin zu schlafen. Um am nächsten Morgen wieder aufzustehen und zu versuchen mein Leben schweigend und pflichtbewusst, wie ein Roboter fortzuführen. Ohne mich darüber zu äußern. Und irgendwann vielleicht sogar ohne darüber nachzudenken. Vielleicht bin ich dann ja so etwas wie zufrieden.

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