Archive | Oktober 2010

Ich lieb mich, ich lieb mich nicht, ich lieb mich, ich…


Jeden Morgen stehe ich erneut im Bad vor der schwierigen Aufgabe, mein Spiegelbild in Zeiten von Facebook und Twitter gedanklich zu „liken“ und zu „faven“ und mir die ganze positive Scheiße einzureden von wegen „der Charakter zählt“.
Mein Anblick nach dem Aufwachen gleicht einer Teilzeitprostituierten, die den Rest des Tages ihre 5 Kinder und ihre Raucherlunge versorgt.
Und trotzdem wünscht man sich doch, dass einer sagt: „Ich finde dich wunderschön“ wenn man neben ihm aufwacht. Und ich beziehe mich dabei nicht auf Hollywood. Ich habe von Leuten gehört, sowas gibt es wirklich. Hollywood lügt eh, auf Hollywood höre ich nicht!

Die gute Nachricht ist – mein morgendlicher Anblick ist in dieser Sache nicht ausschlaggebend. Nicht nur, weil ich glücklicherweise nie auf schnuckelige Typen treffe, wenn ich aus dem Bett steige. Sondern weil das Äußere nur hilfreich ist, um sich einen (ordentlich großen!) Fisch aus dem Teich zu Angeln. Aber entscheidend ist nunmal das Innere, wenn es darum geht, ob er zum Essen bleiben möchte.
Und das ist die schlechte Nachricht. Ich frage mich nämlich, ob mein Äußeres vielleicht nicht kompatibel mit meiner inneren Erscheinung ist? Ich bin ja nicht so der Typ „Arschloch“ – im Gegenteil. Ich bin eine der anonymen Lernen-nein-zu-sagen-Therapiegängerinnen. Und wahrscheinlich lässt mein Äußeres auf mehr Stolz leiten. So sind die Kandidaten im Endeffekt schlichtweg verwirrt…
Wie sonst lässt sich erklären, dass ich mir immer wieder, als hätte ich ausversehen den Repeatschalter gedrückt, anhören darf „Du bist hübsch. Du bist cool. Ich mag dich. Ich will dich nicht verlieren! Aber ich liebe nunmal Sie“…
Aber es heißt ja, dass man nur geliebt werden kann, wenn man sich selbst liebt.
Da liegt auch schon der nächste Fehler. Bei mir ist das ja eher andersrum. Ich könnte mich vielleicht annähernd mögen, wenn sich einer meinen Namen auf den Arsch tattowieren lässt.

Und weil wir gerade bei ‚Hintern‘ sind, anal-ysiere ich die Problematik jetzt auch mal anhand eines Beispiels, dass mich persönlich ja sehr bewegt.
Denn ich, als Vetreterin der Miniarschfraktion, habe schon öfter über die gängige Heirat mit einem 80-jährigen Milliardär nachgedacht. Aber nicht aus den üblichen Gründen wie Liebe und interessantem, weil reifem Aussehen. Nein. Ich würde das aus egoistischen Gründen tun. Denn ich möchte mir den chirurgischen Traum erfüllen, alles Fehlgelagerte an meinem Körper dorthin verlagern zu lassen, wo es bei Männern willkommen ist – in den Arsch.
Und letztens bin ich dann zufällig über den Hintern von Mutya Buena (Ex-Sugababe) gestolpert. Dieser ist inzwischen nämlich um 3 Nummern gewachsen. Hätte mich in meinem Vorhaben vielleicht noch bestärkt, würde es bei ihr jetzt nicht aussehen, als hätte sie sich ihre Brüste nach hinten verlagern lassen. Aber sie hat einen Mann! Das sagt vieles…
Denn wenn ein Mann wirklich machen kann, dass ich mich fett und verunstaltet wohl fühle, so wie es im Moment bei so vielen Stars, wie Christina Aguliera oder Mariah Carrey der Fall ist, bin ich die nächste, die eine knallharte Kontaktanziege schaltet!

Aber eigentlich möchte ich keinen Mann, damit ich mir in aller Ruhe Fettpolster anfressen kann, irgendwann scheiße aussehe und er mich dann für irgendeine Dünnere sitzen lässt. -Kommen die Männer erstmal in ihre Midlifecrisis, bleibt dir als Frau nur zu hoffen, dass er keine weiblichen Kolleginnen oder Praktikantinnen hat.
Lieber wäre mir, einen Weg zu finden, wie ich mich selbst lieben kann – mehr als einmal am abend meine ich, ihr elenden Perverslinge!

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Teenagerängste oder Erziehungsfehler?


Gestern nacht fand ich die Dramaturgien eines 16-jährigen Teenagers – mir – wieder.

Überlege diese aufzuarbeiten und euch in Nullen und Einsen zu präsentieren.

Habe jedoch Angst herauszufinden, dass ich durch meine Kindheit eigentlich psychisch gestört bin und es nur verdrängt hatte. Ich überlege also noch…

 

Erschreckend finde ich aber die Tatsache, wie viel ich in dieser Zeit geschrieben habe. Ich habe auch fast regelmäßig monatlich Tagebuch geführt. Aber diese losen Zettel und Fetzen von Zetteln sind schon nochmal was anderes. Ich glaube, hätten meine Eltern je etwas davon gelesen, wäre ich beizeiten ab die Klapse gewandert.

Aber eigentlich bin ich überzeugt davon, dass es nichts Ungewöhnliches ist. Die erste Liebe, die erste Trennung, Streit mit den Eltern. Bei manchen mehr, bei anderen weniger ausartend. Aber die verwirrenden Gedanken eines jugendlichen Köpfchens sind keine Seltenheit. Ich rede hier nicht davon, dass jeder Jugendliche wegen seiner ersten großen Liebe Suizidgedanken hat. Ernsthafte meine ich. Da spielen schon andere Faktoren in der Umgebung eine Rolle, die dazu führen, ob ein Teenager sich wieder aufrappeln kann oder ob ihn die Enttäuschungen und Erfahrungen die man zu 80% in der Schule macht, irgendwann in die Depression führen.

Ich bin nicht sicher, ob Eltern immer etwas dagegen tun können. Ob sie wirklich die Macht haben ihre Kinder vor der bösen Welt zu schützen und aufzufangen, wenn diese ihnen mal wieder mächtig zugesetzt hat. Aber ich glaube schon. Ich glaube, die Eltern spielen die wichtigste Rolle dabei, wie wir später im Leben stehen. Man muss allerdings sagen, dass es zu spät ist, wenn die Eltern erst im Teenager-alter damit anfangen. Entscheidend sind die Jahre vor der Pubertät. Ob man eine starke Bindung zu seinen Eltern hat oder nicht ist ausschlaggebend, ob man sie als Jugendlicher nutzt. Wer vorher nie mit seinen Eltern geredet hat, wird als Teenager mit Problemen nicht damit anfangen.

Aber dann sind da ja doch noch die Ausnahmen. Mit einer (nahezu) perfekten Welt, die alles bekommen und Eltern haben, die sich für ihre Kinder aufopfern bis zur Erschöpfung. Und trotzdem fangen die Kinder mit 15 an, sich die Haare schwarz zu färben, Kreuze in ihre Arme zu ritzen und sich mit ihren „Freunden“ auf Friedhöfen zu treffen. Was haben diese Eltern falsch gemacht? Wahrscheinlich nach außen hin nichts. Manchmal ist das Umfeld eben doch der größte Einfluss den wir haben und die Sehnsucht nach dem, was man zu Hause nicht hat so groß, dass wir einfach versuchen das zu fühlen, was uns an anderen fasziniert. Wenn man zu Hause die perfekte Welt vorfindet, ist es vielleicht schlicht anziehender und aufregender, was dieses Mädchen mit dem ständigen traurigen Blick fühlt. Ihr Leben scheint irgendwie einen tieferen Sinn zu haben, als die eigene langweilige Bilderbuchfamilie.

Haben Eltern und ihre Erziehung also nun die entscheidende Macht, unsere Jugend zu beeinflussen? Ich glaube, was wir im Teenageralter erleben, denken und fühlen ist von den Einflüssen der Eltern nahezu vollständig abgeschirmt.

Erst nach dem Abschluss der Schule, wenn man die ersten 1,2 Jahre in der Ausbildung oder im Studium steckt, stellt sich heraus, wohin uns die Erziehung der Eltern gebracht hat. Ob ich ein selbstständiger Mensch bin oder nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Die Bindung wird sich wahrscheinlich in den meisten Fällen auch drastisch ändern, wenn wir plötzlich vor Arbeitsverträgen, Krankenversicherungen und Nebenkostenabrechnungen sitzen und erkennen, was das Leben eigentlich wirklich ausmacht. In dieser finanzlastigen Gesellschaft zu überleben. Und plötzlich sind die Eltern die wichtigste Stütze und die erste große Liebe der größte Firlefanz in unserem Leben.

Zufällige Gemein(samk)heiten


Um dich abzulenken – von eigentlich Allem – lässt du dich eben doch überreden mit auf die Party zu gehen. Obwohl du weißt, dass die Leute wieder die Gleichen sind, wie die anderen hundert Male davor. Obwohl du weißt, dass du niemand Aufregenden treffen wirst… Aber ein bisschen Optimismus hat noch niemandem geschadet.
Dass du aber gleich an der Kasse in das entsetzt grinsende Gesicht deiner Freundin blicken musst und sie dich fragt „Ist das nicht Robert hinter dir?“ – das hast du nicht mit eingeplant. Man kann ja nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen! Drehst dich also um und siehst – ja er ist es. (Na toll.)
Entscheidest dich aber in diesem Moment, diese Tatsache, trotz 50cm Luftlinie, schlichtweg zu ignorieren.
Dass man aber doch immer mit dem Schlimmsten rechnen muss, merkte ich, als ich die erste Bar erreichte und mich ein wohlbekannter Blick hinter dem Tresen traf. Diese Mischung aus Lächeln und Provokation, seit dem Abend, als ich barfuß mit meinen erstmals getragenen Absatzschuhen in der Hand, an ihm vorbei von der Garderobe gehumpelt kam. „Tun die Füße weh?“ Ja blöde Frage – während du mit deiner magersüchtigen Schnepfe auf der Couch saßt, hast du die Zeit ja ausgiebig genutzt um mich bei den hemmungslosesten Verbiegungen auf der Tanzfläche zu beobachten! „Weh tun? Meine Zehen fühlen sich an, wie gebrochen.“ In diesem Moment wünschte ich auch schon, ich hätte einfach nur „ja“ gesagt…
Das nächste Mal sah ich diesen Blick, als er mich auf Arbeit wiedererkannte. Einmal hin und wieder zurück an mir vorbei – hat sich halb den Hals verrenkt. Vielleicht dachte ich deswegen, er wäre interessiert… Erst an dem Abend, an dem ich ihm die Serviette mit meiner Nummer in die Hand gedrückt habe, war ich überzeugt, dass dieser Gesichtsausdruck lediglich der Ausdruck von Hohn ist.
Und nun stehst du da – das höhnische und sowas von desinteressierte Gesicht vor, und der Typ, der dich einfach ohne ein Wort aus seiner Freundesliste bei StudiVZ entfernt hat, weil er deinen Humor schlichtweg nicht verstanden hat, hinter dir.

Du redest dir einfach ein, dass die anderen Leute auf der Party Schuld an deiner gesteigerten Partyunlust sind, weil sie dich mit ihrer penetranten Selbstverliebtheit mehr ankotzen als ein besoffener Typ, der sich, beim Versuch dich zu Küssen, auf deinen Rock übergibt.
Eine Stunde später stehst du an der Haltestelle und das halbvolle Corona-bier auf dem Tisch im Raucherbereich. Stellst dir vor, wie der eine beim anderen ein Getränk bestellt und du an ihnen vorbeiläufst. Lächelnd… 🙂

Die Sache mit der Klasse


„Womit du wirklich nicht gerechnet hast, ist das Grinsen in deinem Gesicht“

Es ist allseits bekannt, dass Männer primitiv, plump und alles andere als feinfühlig sind. Relativieren wir das an der Stelle mal, denn natürlich ist mir klar, dass es feine Unterschiede unter den einzelnen Exemplaren gibt.
Darum geht es hier aber gar nicht – im Grunde geht es um die Frauen. Um die Tatsache, dass Frauen trotz Vernunft, Klasse und aller Emanzipation der letzten 50 Jahre manchmal nicht um ihren „Urtrieb“ umhin können.

Sitze ich nun in der Bahn und lausche (in der Regel unfreiwillig) Gesprächen von Halbaffen einer bestimmten Gesellschaftsschicht, bin ich mir sicher, dass mein Horizont, ob nun mithilfe von Genen oder Erziehung sei dahingestellt, definitiv ein Stückchen weiter reicht, als bei betreffender Spezies. Oft kann ich einfach nicht verstehen, wie „Halbaffenfrau“ sich auf einige „Zurufe“ des „Halbaffenmännchens“ überhaupt angesprochen fühlen will.
Meine bisherige Erklärung bezog sich auf die entsprechende Umgebung und die Gewöhnung an alltägliche Umgangsformen im eigenen Umfeld.
Nun kommt aber der Tag, an dem lernt man jemanden kennen. Umgangsformen und Umfeld stimmen soweit überein, aber man merkt durchaus, dass irgendwas mit der Kommunikation an gewissen Stellen nicht mit der eigenen „Einstellung zum Umgang mit Frau“ übereinstimmt.
Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Mit einer gewissen Vorahnung lässt man sich also auf die Begegnung mit dem Unbekannten ein.  Und dann, unvermeidbar, kommt es: „Baby…“
Aber womit du wirklich nicht gerechnet hast, ist das Grinsen in deinem Gesicht.
Und schon beim nächsten mal „Baby…“ denkst nur noch „Bitte nenn mich den ganzen Tag so. Und Kleines. Und Mädchen. -Du kannst alles zu mir sagen. Und du kannst alles von mir haben!“
Und es kommt noch schlimmer. Hilflos und zappelnd wie ein Fisch an der Angel stehst du praktisch schon vor dem Anruf vor seiner Tür, wenn er in einem befehlsartigen Tonfall sagt: „Los zieh dich nochmal an und komm her. – Beeil dich.“ Natürlich denkst du – ‚Hallo? Wie redest du bitte mit mir?‘ Aber als würde dein elendig laut schlagendes Herz noch hören, was dein Kopf sagt…

„Der einzige Fehler einer Frau ist, dass sie vergisst, was sie wert ist, wenn sie verliebt ist…“

Jetzt stell ich mir die Frage: Bin ich zu leicht zu haben, oder bin ich einfach nur eine normale Frau?…