Lasst mich in Ruhe!


Ich bin nicht euer verdammtes Trospflaster, euer Spielbrett oder sonst irgendwas, womit ihr euch zwischendurch beschäftigen könnt, bis ihr eure Traumfrau findet! Lasst mich gefälligst in Ruhe, wenn ihr gerade eine Trennung hinter euch habt, keine Beziehung wollt oder überhaupt nur irgendwas mit Sex. Lasst gefälligst die Finger von mir, wenn ihr mich nicht wollt!

Was meint ihr, wie oft ein Mensch es ertragen kann, abgelehnt zu werden? Wie oft er es schafft, eine Enttäuschung zu verarbeiten? Wie oft man benutzt werden kann, bis man jegliches Vertrauen verliert – an erster Stelle das in sich selbst? Ich kann mittlerweile nicht mehr zählen, wie oft ich es schon hingenommen habe. Aber irgendwann werde ich das nicht mehr können und irgendwann werdet ihr dann auf meiner Beerdigung erzählen können, was für ein toller Mensch ich war, und wie hübsch und wie lustig. Eben das, was ihr mir immer erzählt habt, bevor ihr mich sitzen gelassen habt. Aber ich werde es dann nicht mehr hören. Weil ich es nicht mehr will.

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Alles, was wir erreichen können, ist Zufriedenheit


Seit einem Jahr suche ich nun nach dem Glück. Damit meine ich nicht, dass ich nach der großen Liebe suche, sondern ich suche das Glück in mir. Ich suche danach in meinen Leistungen, in meinem Aussehen, in meinen Talenten, in meinen Freunden, in meinem Zuhause, in meiner Disziplin, in meiner Arbeit, in meiner Zukunft. Aber alles, was ich finden konnte, war ein gewisser Grad an Zufriedenheit. Ich habe alle meine Pflichten termingerecht erledigt, mich meiner Talente erfreut, meine Leistungen begutachtet, mein Aussehen bewundert, war dankbar für meine liebevollen Freunde. All das hat mir überaus schöne Gefühle beschert: Ruhe, Gelassenheit, Harmonie. Aber kein Glück. Auch, wenn also alles buchstäblich perfekt ist, bleibt an der Stelle, an der ich Glück erwartet habe, ein leerer Fleck.

Ich habe mich also gefragt, ob wir wirklich fähig sind, ohne Liebe Glück zu empfinden. Und ich glaube nicht.

Glück ist für mich ein Leuchten im Herzen und der Drang, viele tolle Dinge zu erleben. Aber nicht nur zu erleben, sondern auch zu teilen. Und zwar nicht mit irgendwem zu teilen, sondern mit einer Person, die uns näher steht, als alle anderen. Glück ist für mich das Gefühl zu haben, ein Teil von jemandem zu sein, den niemand ersetzen kann. Das könnte auch die Liebe zu seinen Kindern sein. Aber da kann ich nun nicht aus Erfahrung sprechen.

Egal, wie sehr ich mich selbst lieben mag – und ich glaube, ich bin tatsächlich ich in der Lage dazu – ersetzt nichts das Gefühl, von einem Menschen gebraucht zu werden. Und so wichtig mir meine Freunde auch sind, und so viel Freude sie mir bringen, denke ich, das sie mir das, was ich unter Glück verstehe, nicht geben können.

Was mir jetzt bleibt, ist wohl mich damit abzufinden und zu hoffen, irgendwann mein Glück zu finden.

Bis dahin leb‘ ich einfach zufrieden – zur Not auch bis an mein Ende. 😉

Die unsichere Narzisstin


Ich erzähle euch heute ein wenig über meine kombinierte Persönlichkeitsstörung. – Richtig: Wenn ihr die Nase voll habt, von Situationsberichten, Rumgeheule und Mitleidsgehasche, dann könnt ihr diesen Artikel jetzt schließen.

Für alle anderen bringe ich zunächst einmal ein wenig Sex in die Sache: Ich befinde mich nämlich soeben in der Badewanne. Genau genommen, nehme ich ein Erkältungsbad, schwitze, wie ein Schwein und langweile mich. Aber immerhin – ich bin nackt. #NichtDafür

Kombinierte Persönlichkeitsstörung. Da sagt der Name schon viel, aber doch kann das alles Mögliche sein. Es gibt geschätzt wahrscheinlich an die hundert Arten von Persönlichkeitsstörungen. Denn es ist nicht, wie viele verwechseln, immer eine Schizophrenie oder Psychose. Nein – eine Persönlichkeitsstörung beginnt viel bescheidener.

Vor einer Diagnose erfolgt zunächst einmal die Diagnostik. Das bedeutet, knapp 300 Fragen in mehreren Fragebögen beantworten, 2 bis 5 Gespräche zu verschiedenen Lebensbereichen führen und am Ende bekommt man, wie bei einer Prüfung, sein Ergebnis mitgeteilt und ausgewertet.

Klingt nach Arbeit – ist aber erst die Vorstufe zur wirklichen Arbeit. Wobei ich sagen muss, dass einen so eine Diagnose, trotz vorheriger Erwartungen, bereits ziemlich umhauen kann.
– Womit ich auch nicht gerechnet hätte! Denn, passend zu meiner Diagnose (oder vielleicht auch völlig normal), wäre ich von einer weniger katastrophalen Nachricht wohl äußerst enttäuscht gewesen.

Meine Diagnose lautete nun also: Rezidivierende (wiederkehrende) Depression und kombinierte narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Narzisst? – Autsch! Natürlich musste ich mir eingestehen, dass es so sein muss. Es aber von jemand anderem zu hören war..  nun, es fühlte sich ein wenig an, wie ertappt zu werden. Denn dieser Teil meiner Persönlichkeit spielt sich wirklich nur in meinem Inneren ab und es dürfte niemanden in meinem näheren Umfeld geben, der mich einen Narzissten nennen würde. Die meisten würden mich nicht mal für besonders egoistisch halten. Bin ich aber. Und eben mehr als das.

Definition ‚Narzisst‘ (Quelle: der Einfachheit halber Wikipedia):

Narzisstische Personen sind gekennzeichnet durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, was sie mit einem großartigen äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren versuchen[12]. Häufig hängt das mit ihrem brüchigen Selbstwertgefühl zusammen. Die Goldene Regel „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ ist Narzissten fremd. Sie behandeln Mitmenschen so, wie sie selbst nicht behandelt werden möchten. Sie besitzen einen Blick für das Besondere, können leistungsstark (in Schule, Beruf, Hobby) sein und haben oft gepflegte und statusbewusste Umgangsformen.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich für diese Diagnose geschämt habe?

Nun habe ich aber inzwischen gelernt, dass man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht als das Gleiche, wie einen Narzissten im umgangssprachlichen Gebrauch verstehen darf.

Auszug aus einer Erklärung der ’narzisstischen Persönlichkeitsstörung‘ (Quelle: http://www.narzissmus.net/?p=215):

[ein] Mensch[en], dessen Umwelt und Partner ihm hauptsächlich als Lieferanten narzisstischer Bestätigung dienen. Selbstverstärker wie Labels, Luxus, Statussymbole und Besitz federn sein labiles Ego ab. Werden andere Menschen als zurückweisend wahrgenommen, ist es meist der narzisstische Charakter selbst, der andere abweist. Eher ist er dazu bereit, sich einzuigeln und sich sogar selbst zu verletzen, als sein grandioses Selbst aufzugeben.
Seine Maxime “Ich brauche andere nicht” ist immer von der Klage begleitet: “Keiner liebt mich.”
Narzissmus-Patienten lassen sich mangels eines inneren Prinzips von Stimmungen, von Sinneseindrücken und vom Zufall eher leiten als von eigenen Plänen. Ihre Depressionen und Ängste, ihre Antriebslosigkeit und das zwanghafte, ängstliche Kreisen um die eigene Person steigern sich im schlimmsten Fall zu selbstzerstörerischen Handlungen, wie Essensverweigerung, Drogensucht oder Selbstmordversuchen.

Um euch das mal mit meinen Worten anhand meiner Gedanken zu erläutern:
Ich kann die Fragen, die in etwa lauten „Haben Sie das Gefühl, dass andere Sie wegen Ihres Aussehens beneiden?“ und „Finden Sie sich abstoßend?“ beide mit ‚ja‘ beantworten, ohne dabei zu lügen.

Und im Grunde ist das der ganze Kern dieser Störung. Und wenn ihr mich fragt, sagt er einfach nur aus, dass ich ziemlich Banane bin!

Aber was soll ich machen? Ich fühle beide Antworten gleichermaßen. Ich kann nicht nur eins von beidem empfinden. Ich kann es nacheinander und sogar zeitgleich empfinden. Im Grunde glaube ich, finde ich mich gar nicht wirklich beneidenswert – ich hoffe nur anhand der Reaktionen, die ich von anderen bekomme, dass ich es vielleicht bin. Wobei ich, wenn es um bestimmte Fähigkeiten, Talente o.ä. geht, schon des öfteren überzeugt bin, sie zu besitzen. Und dann bin ich über die Maßen enttäuscht, wenn wieder jemand anderes gelobt wird und im Mittelpunkt steht, wo ich es doch verdient hätte. Aber habe ich das? Ist es nicht nur meine subjektive Wahrnehmung, dass ich gut bin? Bin ich vielleicht gar nicht gut?
Und hübsch? Nein. Ich finde mich – und das meine ich ganz ehrlich – nicht hübsch!
Und immer, wenn mir jemand sagt, ich wäre hübsch, möchte ich ihn schlagen, weil er mich daran erinnert, dass ich mich selbst hässlich fühle. Warum? Weil ich eben einfach nicht meinem eigenen Ideal entspreche. Um genau zu sein, meinen Idealen. Und die sind teilweise so gegensätzlich, dass ich denen auch gar nicht entsprechen kann. Mein Verstand ist durchaus in der Lage, das zu verstehen. Aber leider kann ich das, was ich empfinde – den Neid, die Enttäuschung, die Abscheu, nicht abstellen.

Wenn ich mich dann also in meiner Spirale aus Abscheu, Neid und Traurigkeit über fehlende Bewunderung und Anerkennung befinde, wünsche ich mir einfach nur, „gesund“ zu sein. Nicht mehr denken zu müssen und endlich aus dem tiefsten Inneren heraus Spaß und Freude zu empfinden und nicht damit beschäftigt zu sein, darüber nachzudenken, ob mich nun jemand toll findet bei dem, was ich mache, oder nicht. Denn immer, wenn ich mich bei diesem Wunsch erwische, hasse ich mich.

Warum ich mich als krank ansehe, wo doch alle Menschen solche Gefühle genauso kennen? Wegen der Menge. Es heißt ja bekanntlich, die Masse macht das Gift. Und so ist es auch hier. Dass jeder mal an sich zweifelt, sich nicht mag, überlegt, was andere von ihm halten, ist wahrscheinlich normal. Es permanent zu empfinden und sein Leben danach auszurichten – also Situationen oder Menschen deswegen zu meiden – das ist nicht normal. Das ist „krank“. Deswegen spreche ich davon, gesund sein zu wollen. Ich will nicht mehr von meinen Gedanken eingeschränkt werden.
Aber wie ich schon sagte: Die Diagnose ist nur der erste Schritt vor der eigentlichen Arbeit.

#isjairre


Wenn man erstmal begriffen hat, dass die Ursache für körperliche Leiden öfter die Psyche ist, als der Körper, wagt man nicht mehr, ‚Psychische Krankheit‘ in Anführungszeichen zu schreiben.

Und der Weg, sich eine Diagnose zur Selbstzuordnung stellen zu lassen, ist der Gleiche wie der, warum ich zum Arzt gehe und abklären lasse, ob mein Bein gebrochen ist, oder nicht: Um es hinterher bestmöglich behandeln zu können. Gehe ich einfach davon aus, es ist nicht gebrochen, laufe ich einfach unter Schmerzen weiter und es wird nie richtig heilen.

Ich bin überzeugt, dass die Psyche über dem Körper steht. Natürlich ist eine psychische Krankheit nichts, womit man sich anstecken kann, wie Fußpilz. Aber sie ist durchaus in der Lage, mich an einem Schnupfen erkranken zu lassen, wenn ich nur überzeugt genug bin, einen zu bekommen.

Viele Menschen haben so lange keinen Respekt vor der Psyche, weil sie sie nicht greifen können, bis sie am eigenen Leib erfahren, was eine Depression ist. Wenn sie Glück haben, ist es „nur“ eine Depression und keine schwieriger zu behandelnde psychische Erkrankung und sie schaffen es, sie zu überleben.

Schade, dass es oftmals erst notwendig ist, diese Erfahrung zu machen, um den nötigen Respekt aufzubringen. Denn ich wünsche diese Erfahrung niemandem.

Autopilot


Wie macht ihr das? – Nein, das ist keine rhetorische Frage. Im Ernst: Wie macht ihr das?

Wie schafft ihr es, jeden Tag mit einem positiven Gefühl aufzustehen? Ich meine, natürlich habt ihr nicht jeden Tag ein gutes Gefühl und ganz sicher freut ihr euch nicht immer auf den Tag. Auch ihr habt gute und schlechte Tage. An manchen wollt ihr wahrscheinlich liegen bleiben und hofft, dass der Tag einfach vorbei geht. – Wenn ihr z.B. einen unangenehmen Termin beim Chef habt, oder eine Prüfung ansteht.

Aber fragt ihr euch jeden Tag, warum ihr aufstehen sollt? Fällt euch dann nicht einmal etwas ein, worauf ihr mehr Lust hättet, als arbeiten zu gehen? Oder in die Uni? – Gemütlich ausschlafen, frühstücken, in die Stadt gehen, shoppen, in den Park gehen, sonnen. An den Strand fahren, oder in die Berge.
Mir fällt nichts ein. Für mich macht es keinen Unterschied, was ich nach dem Aufstehen mache. Ich mache das, was von mir verlangt wird. Aber ich weiß nicht, wozu. Oder ob es mir irgendwo an einem schönen Urlaubsort besser gehen würde.

Wenn ihr aufsteht, denkt ihr dann darüber nach, ob das Sinn macht, was euch an diesem Tag erwartet? Oder seht ihr nur den Tag vor euch und bereitet euch beim Zähneputzen mental darauf vor? Vielleicht müsst ihr zuerst die Kinder wecken und sie ins Bad schleifen, weil sie nicht aufstehen wollen. Dann geht ihr in die Küche um zu frühstücken.
Vielleicht steht ihr aber auch einfach auf, zieht euch an und geht, weil ihr es nie schafft, ein wenig früher aufzustehen und holt euch unterwegs euren Kaffee beim Bäcker. Die Verkäuferin kennt euch schon und ihr müsst nicht mehr als „Guten Morgen“ sagen und sie fragt „Wie immer?“. Schön, solche Konstanten, oder? Mir sind Konstanten egal. Mir ist es egal, ob ich rechtzeitig aufstehe und meinen Kaffee Zuhause oder erst im Büro trinken kann. Mir ist es egal, ob morgens die Sonne scheint oder es regnet, wenn ich aus dem Haus gehe. Das Einzige, worüber ich mich ein wenig ärgere, sind zu dünne Sachen, wenn es mal wieder von einen auf den anderen Tag 10 Grad kälter geworden ist. Ich hasse frieren.

Ob meine Haare durch den Regen vielleicht nass werden, ist mir egal, weil ich sie ja eh nicht zurecht gemacht habe. Ob ich gut aussehe oder nicht, ist mir egal, da ich mich nicht geschminkt habe. Ich seh so aus, wie ich aussehe. Dann geh ich auf Arbeit, danach zum Training, und wenn ich Zuhause bin, esse ich vielleicht noch irgendwas. Manchmal auch nicht. Weil es eh nicht schmeckt. Alles schmeckt gleich. Es soll nur stopfen, wenn der Magen zu heftig knurrt.

Dieses Leben ist schwer für mich. Ich möchte keine Gesellschaft, weil es mich anstrengt, aufmerksam zu sein. Aber hin und wieder zwinge ich mich dazu, weil ich Angst habe, Freunde zu verlieren. Immerhin kann es ja sein, dass es mir irgendwann besser geht.
Dann verbringe ich einen Abend mit viel Reden und viel Lachen. Aber sobald ich auf dem Heimweg bin, ist alles, wie vorher. Ich merke nur hin und wieder einen kleinen Unterschied. Dass ich ein bisschen weniger grüble. Etwas „erleichtert“ bin. Mein Kopf leerer und leichter ist. Leider hält das nicht sehr lange an. Kaum bin ich Zuhause angekommen, ist meist wieder alles da. Die Sinnlosigkeit, die Lustlosigkeit. Dann weiß ich nicht, was ich machen soll. Was ich machen WILL. Seit ein paar Tagen zwinge ich mich dazu, immer irgendetwas Produktives zu machen. Damit ich hinterher zufrieden bin. Damit ich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles gemacht zu haben. Immerhin reicht es, um abends einigermaßen gedankenlos ins Bett zu gehen. Aber zufrieden, oder sogar glücklich fühle ich mich nicht. Ich habe nur ein etwas weniger schlechtes Gewissen, mein Leben zu vergeuden.

Ich meine, das alles klingt so harmlos und womöglich denkt ihr „ach Gottchen, wie sie übertreibt und dramatisiert. Sobald sie unter Menschen ist, ist doch alles in Ordnung. Das Mädel muss nur mal öfter rausgehen, anstatt alleine Zuhause rumzuhängen.“ Tja leider ist es damit nicht getan. Ich hab`s probiert! Immer und immer wieder. Und ich werde es weiterhin probieren! Nur passiert dann auch manchmal schnell das Gegenteil. Dann bekomme ich Angst unter Menschen und das Gefühl, losheulen zu müssen. Ich fühle mich dann so unglaublich weit weg von den Leuten um mich herum, dass ich das Gefühl habe, ich sitze unter einer Glasglocke und alle starren mich an. Ich will raus zu ihnen, aber ich kann nicht. Aber alle anderen sehen die Glasglocke nicht. Sie wundern sich, warum ich nicht zu ihnen komme, weil sie nicht sehen, dass ich nicht kann. Und das verstärkt mein Gefühl der Einsamkeit. Ich fühle mich unverstanden und ungerecht behandelt.

Das alles ist ein Teufelskreis und ich finde den Ausgang nicht. Die Tür mit der Aufschrift „Lebensziel“.
Wenn ich wenigstens wüsste, was ich will! Will ich einen anderen Job? Will ich vielleicht nur mehr Geld verdienen? Will ich in eine andere Stadt? In ein anderes Land? Würde ich mich vielleicht in einem Land mit einer anderen Mentalität besser fühlen? Wenn ja – welches? Ich kenne doch kein einziges Land. Will ich herumreisen? Oder will ich nur den Mann meines Lebens finden und eine Familie gründen? Will ich überhaupt Kinder? Will ich überhaupt einen Mann?? Manchmal glaube ich fast, dass ein Mann für mich nicht vorgesehen ist. Ich bin so sehr mit mir beschäftigt, dass ich mich nicht einmal glücklich fühle, wenn der Mann, den ich glaube zu lieben, neben mir liegt. Ich fühle nur Unsicherheit und die Frage „Ist das jetzt alles? Kommt da noch was?“.

In den ganz schlimmen Momenten ist meine Einzige „Lösung“, mich zu verletzen. Es ist das Einzige, was mich etwas empfinden lässt. Natürlich klingt das abgedroschen. Nahezu auswendig gelernt. Selbst Menschen, die sich nie mit diesem Thema auseinander gesetzt haben, kennen den Satz „Es ist der einzige Weg, etwas zu fühlen.“ Aber es ist eben die Wahrheit. Manchmal bin ich froh, wenn ich in Selbsthass verfalle. Es ist die einzige Leidenschaft, die ich aufbringen kann. Dann erscheint alles logisch. ‚Klar, dass ich nicht glücklich sein kann. So, wie ich bin. Mit dem, was ich mache und wie ich aussehe.‘
Ich habe nur jedes Mal, wenn das passiert, Angst, dass ich irgendwann mal aufgebe. Dass ich alle um mich herum vergesse und alles beende.

Ich schätze, das Programm, das zur Zeit bei mir abgespielt wird, heißt „Selbsterhaltungstrieb“. Ich hoffe nur, dass ich irgendwann ein Upgrade dafür bekomme und es nicht vorher abstürzt.

Soll ich nun?


21 Grad. Ich friere. Drehe das Wasser auf und schütte das gut riechende extra schaumige Schaumbad ein. Ich steige in die Wanne. Verbrenne mir die Füße am heißen Wasser. Doch nach kurzer Zeit friere ich wieder. Ich zittere. Immer wieder lasse ich heißes Wasser nach und verbrenne mir die Füße. Doch mir wird einfach nicht warm. „Wenn das mein Leben ist, dann weiß ich nicht, ob ich es will.“

Alles ist ziemlich gut. Ich hatte ein Wochenende unter Freunden, alte Bekannte wieder getroffen. Mich an meine alte Volleyball-Zeit erinnert. Gott, war das eine geile Zeit. Könnten wir alle in einer Mannschaft wieder vereinen – das wär’s! Dann wäre ich wieder, wo ich zufrieden mit diesem Sport war!
„Was ist bloß los, verdammt nochmal! Wieso ist mir alles so scheiß egal?“

Das Wasser ist so heiß, dass ich anfange, zu schwitzen. Aber ich zittere immernoch.
Das verdammte Radio hat schon wieder keinen Empfang. Ich stehe auf, um den Sender einzustellen. Das ganze Bad schwimmt jetzt und mir ist schwindelig vom schnellen Aufstehen.

„Irgendwas muss mir doch das Gefühl von Freude geben können! Diese Einsamkeit, die in keiner Gesellschaft ganz von mir weicht, macht mich kaputt.“ Mein Herz klopft und ich fühle den Druck im Magen. „LASS MICH LOS! LASS MICH FREI! ICH HALTE DAS NICHT AUS!“ Mir kommen Tränen. Ich denke an die Rasierklingen. „Wie tief muss ich eigentlich schneiden, damit ich diese verdammte Hauptschlagader überhaupt kratze?“ Ich inzspiziere mein Handgelenk. Dabei kenne ich doch jeden Zentimeter davon schon.
Mir tropft Schweiß von der Nase. Mein Gesicht krabbelt. „Sollte mich besser einseifen und rausgehen, bevor mir wieder schwindelig wird.“

Lege das Handy weg.

Twittern – meine Zeit für mich und doch nicht ich


Was auch immer mit mir los ist, ich mag es nicht. Ich mag es absolut nicht. Ich mag nicht, dass ich wieder rauche. Gedankenverloren und unkonzentriert bin. Statt mit Freunden, lieber alleine auf der Couch hänge. Keinen Sport machen will. Ich mag das alles nicht. Vielleicht bin ich nur schon wieder ausgepowert von den letzten Monaten. Immerhin habe ich die Klinik früher verlassen, als ich sollte. Bis jetzt ist trotzdem alles gut gegangen. Aber irgendwann wurde der Stresspegel einfach viel zu schnell wieder viel zu hoch. Und schwupps – da bin ich. In meinem Loch. Eigentlich sitze ich noch am Rand und lasse die Füße baumeln. Aber wenn ich mich nicht schnell wieder aufrappele, dann fall ich irgendwann hinein.

Und Twitter – ja Twitter macht gerade wieder sehr viel Spaß. Zu viel Spaß. Denn leider kann ich nicht beides: Twittern und leben. Ich frage mich wirklich, wie ihr das alle macht. Ich versacke einfach nur in einer virtuellen Welt, die mir gerne vorgaukelt, jemand Interessantes oder Tolles zu sein. Aber wie toll ist es denn, für eine Gemeinschaft mehr Zeit aufzubringen, als für die Welt, in der man sein Geld verdienen, seine Zukunft aufbauen und seine Ziele erreichen sollte. Ich muss aufhören damit. Ich bin zu Twitter zurück gekommen, als ich das Gefühl hatte, etwas zu vermissen, von dem ich dachte, das Internet könnte es mir geben. Leider lag ich falsch. Das Internet saugt meine ganze Energie auf und die Menschen dahinter sind mir wichtiger, als ich selbst. Ich schreibe unaufhaltsam Menschen an, die wunderbar ohne mich leben können, mich nicht kennen und versuche krampfhaft ein Teil von ihnen zu sein. So sehr, dass ich mich jeden Abend schäme und meine Frustration stetig immer weiter wächst. Ich will etwas Neues erleben, weil ich das Gefühl habe, mein Leben wäre langweilig. Vor ein paar Wochen hätte ich das niemals gesagt. Ich war zufrieden und glücklich über die tollen Menschen, die für mich da waren, als es mir schlecht ging. Und jetzt fühle ich mich ein wenig so, als würde ich sie mit Füßen treten. Das haben sie nicht verdient und das ist kein Internetmensch wert! Ich bin sicher, dass es viele großartige Menschen auf Twitter gibt. Aber deren Unterschied zu mir ist, dass sie ihr Leben außerhalb des Internets leben.

Aber wie aufhören? Wenn ich bemerke, dass ich nichts mehr esse, mache ich mir Sorgen. Aber ich finde nicht die Kraft, etwas dagegen zu tun. Wenn ich in Gesellschaft bin, fühle ich mich einsam. Ich wünsche mir dann, ich wäre umgeben von den Menschen, die die Twitterwelt mit mir teilen und verstehen, was diese Welt so faszinierend macht. Aber das geht nicht. Weil hunderte Kilometer zwischen jedem einzelnen liegen und die Harmonie doch im Grunde nur auf einer Plattform funktioniert: Twitter. Ausschnitte von Ereignissen, Gedanken und Leben beschränkt auf 140 Zeichen.