Ich, mein bester Feind


Man soll sich selbst lieben, um geliebt zu werden – bla bla. Um ehrlich zu sein, finde ich das übertrieben. Wer sich selbst liebt, kann meiner Meinung keinen anderen Menschen lieben. Für mich bedeutet Liebe, eine Person zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen. Bis zur Selbstaufgabe. Würde ich hier von der Liebe zu meinem Kind sprechen, würde vermutlich keiner etwas dagegen einwenden. Spreche ich aber von Partnerschaft, ist es auf einmal völlig falsch so zu lieben. Warum? Wozu Liebe, wenn nicht 100%? Wozu Liebe, wenn ich genauso gut alleine klarkommen kann? Die Liebe, die ihr als „Ideal“ beschreibt, ist in meinen Augen verlogen und egoistisch. Weil sie euch nur als „Gesellschaft“ dient. Weil ihr zwar gut und gerne allein sein könntet, es zu zweit aber einfach lustiger ist. Für mich ist Liebe das Leben für einen anderen Menschen. Mit allem, was ich tue, bei ihm zu sein und ihn zu berücksichtigen. Und ihn genauso zu brauchen. Ich will einen Partner im Leben, weil ich ihn brauche. Weil ich mich alleine unglücklich und verloren fühle in dieser Welt. Denn diese Welt ist egoistisch und kalt. Das gesamte Universum ist gleichgültig. Es gibt keinen Sinn im Leben, außer dem Fortbestand und der Weiterentwicklung. Und das nur durch einen Zufall.

Sein Leben mit dieser Erkenntnis allein zu bestreiten ist wahnsinnig deprimierend und frustrierend. Deswegen suchen wir uns Begleiter, denen wir einen Sinn in unserem Leben anheften können. Je mehr wir jedoch nach dieser Person suchen, je verzweifelter wir in dieser Welt sind, desto schwerer wird es und desto weniger wollen Menschen mit uns zu tun haben. Weil wir als „anstrengend“ empfunden werden. Im Grunde liegt die Erfolgschance für eine Partnerschaft also nicht bei der Liebe zu uns selbst, sondern bei der Gleichgültigkeit gegenüber dem gesamten Leben. Menschen, die sich keine Gedanken über Sinn oder Unsinn machen und einfach nur tun, was von ihnen verlangt wird und dabei noch etwas Schönes daran finden können.

Ist man dazu jedoch nicht in der Lage, ist man dazu verdammt, alleine mit seinen Sorgen und Zweifeln zurechtzukommen. Quasi als Strafe dafür, das System anzuzweifeln. Und schon beginnt der Teufelskreis aus Einsamkeit, Selbsthass und Verzweiflung. Denn man wird dazu verdammt mit der Person, die man ist, allein zu sein. Die Person, die Schuld daran ist, dass man allein ist, weil sie einem all diese Dinge von fehlendem Sinn erzählt hat. Und um das je zu ändern, soll man diese Person nun lieben lernen. Die Person, die der Grund für alle Zweifel und Ängste ist. Plötzlich soll man ihr dankbar sein und froh darüber, dass es sie gibt. Sie bewundern und wertschätzen. Das ist so, als müsste man seinem ärgsten Feind dafür danken, dass er einen stets gemobbt und beleidigt hat. Die Aussicht darauf, mein restliches Leben mit dieser Person verbringen zu müssen, ist alles andere als ermutigend für mich.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich multiple Persönlichkeitsstörungen entwickeln, aber gerade fühlt es sich so an, als würde ich mich spalten. In ein inneres und ein äußeres Ich. Ich fühle mich, als wäre ich gefangen in meinem äußeren Ich und dem ausgeliefert, was es tut. Als müsste mein inneres „wirkliches“ Ich stets mit den Konsequenzen leben, die mein äußeres, handlungsfähiges Ich, verursacht. Und als hätte es keinerlei Kontrolle über das, was es tut. Mein inneres Ich kann nur reden. Es ist mein Gewissen. Aber es kann das äußere Ich nicht kontrollieren. Wie ein Roboter, der außer Kontrolle geraten ist und ein Eigenleben entwickelt hat.

Ich müsste eine Therapie machen, ja. Da ich jedoch weiß, dass diese bezweckt, mich in eine gleichgültige Maschine zu verwandeln, die aufhört, Dinge zu hinterfragen und stattdessen die schönen Dinge im Leben genießt, habe ich Angst davor. Angst, mich zu verlieren. Zusätzlich ist mir auch völlig unklar, wie Gedanken meine Emotionen beeinflussen sollen. Ich weiß schließlich bereits jetzt, was ich in bestimmten Situationen empfinden sollte. Aber egal, wie viele logische Argumente ich mir vorlege – an dem schmerzenden Gefühl von Enttäuschung und Abweisung ändert das rein gar nichts.

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Artikel irgendeinen Sinn ergibt, oder überhaupt etwas aussagt. Alles, was ich empfinde ist Verwirrung und Unklarheit, was ich eigentlich will und wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht, ob sich alles ändern würde, wenn ich jemanden finde, der mich liebt, oder ob es alles komplizierter machen würde. Ich fühle mich einfach allein und irgendwie ausgeschlossen. Hauptsächlich ausgeschlossen, weil ich nicht die gleiche Freude für manche Dinge empfinden kann, wie andere. Sie erscheinen mir einfach so bedeutungslos in diesem großen schwarzen Loch von Universum. Und ich weiß nicht, wie ich das ändern soll.

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Keine Ruhe


Es ist niemand da. Man denkt immer, es gibt so viele Menschen, die für einen da sind. Aber in diesen Momenten ist nie jemand da. Nicht, dass man in diesen Momenten jemanden um sich haben wöllte, aber es ist der einzige mögliche Schutz vor sich selbst. Denn es wird immer schwerer, nicht auf sich selbst zu hören und die inneren Stimmen zu ignorieren. Natürlich müsste man sich Hilfe suchen. Aber man will keine Hilfe, sondern dass es aufhört. Dass alles endlich aufhört. Keine Gedanken mehr, keine Gefühle mehr, keine Aufgaben mehr. Einfach Ruhe. Es ist verdammt schwer, dabei noch an all die anderen zu denken, denen man weh tun würde, wenn es in einem so laut schreit, dass man kaum noch etwas anderes um sich herum wahrnehmen kann.

Alles in mir schreit und tut so höllisch weh. Die kleinen Schnitte können das nicht mehr ausgleichen. Die Ventile sind einfach zu klein. Ich brauche den großen Schnitt, das große Ventil, dass alles aus mir rauslässt bis Ruhe einkehrt.


Entweder bin ich ein sehr böser oder ein sehr kranker Mensch, aber ich wünschte, ihr würdet alle während eurer glücklichen Momente an Herzversagen sterben. Dann wäre ich irgendwann wirklich so allein, wie ich mich fühle. Und weil mir dann keiner mehr böse sein kann, könnte ich mich endlich umbringen. ZACK – Problem erledigt.

Lasst mich in Ruhe!


Ich bin nicht euer verdammtes Trospflaster, euer Spielbrett oder sonst irgendwas, womit ihr euch zwischendurch beschäftigen könnt, bis ihr eure Traumfrau findet! Lasst mich gefälligst in Ruhe, wenn ihr gerade eine Trennung hinter euch habt, keine Beziehung wollt oder überhaupt nur irgendwas mit Sex. Lasst gefälligst die Finger von mir, wenn ihr mich nicht wollt!

Was meint ihr, wie oft ein Mensch es ertragen kann, abgelehnt zu werden? Wie oft er es schafft, eine Enttäuschung zu verarbeiten? Wie oft man benutzt werden kann, bis man jegliches Vertrauen verliert – an erster Stelle das in sich selbst? Ich kann mittlerweile nicht mehr zählen, wie oft ich es schon hingenommen habe. Aber irgendwann werde ich das nicht mehr können und irgendwann werdet ihr dann auf meiner Beerdigung erzählen können, was für ein toller Mensch ich war, und wie hübsch und wie lustig. Eben das, was ihr mir immer erzählt habt, bevor ihr mich sitzen gelassen habt. Aber ich werde es dann nicht mehr hören. Weil ich es nicht mehr will.

Alles, was wir erreichen können, ist Zufriedenheit


Seit einem Jahr suche ich nun nach dem Glück. Damit meine ich nicht, dass ich nach der großen Liebe suche, sondern ich suche das Glück in mir. Ich suche danach in meinen Leistungen, in meinem Aussehen, in meinen Talenten, in meinen Freunden, in meinem Zuhause, in meiner Disziplin, in meiner Arbeit, in meiner Zukunft. Aber alles, was ich finden konnte, war ein gewisser Grad an Zufriedenheit. Ich habe alle meine Pflichten termingerecht erledigt, mich meiner Talente erfreut, meine Leistungen begutachtet, mein Aussehen bewundert, war dankbar für meine liebevollen Freunde. All das hat mir überaus schöne Gefühle beschert: Ruhe, Gelassenheit, Harmonie. Aber kein Glück. Auch, wenn also alles buchstäblich perfekt ist, bleibt an der Stelle, an der ich Glück erwartet habe, ein leerer Fleck.

Ich habe mich also gefragt, ob wir wirklich fähig sind, ohne Liebe Glück zu empfinden. Und ich glaube nicht.

Glück ist für mich ein Leuchten im Herzen und der Drang, viele tolle Dinge zu erleben. Aber nicht nur zu erleben, sondern auch zu teilen. Und zwar nicht mit irgendwem zu teilen, sondern mit einer Person, die uns näher steht, als alle anderen. Glück ist für mich das Gefühl zu haben, ein Teil von jemandem zu sein, den niemand ersetzen kann. Das könnte auch die Liebe zu seinen Kindern sein. Aber da kann ich nun nicht aus Erfahrung sprechen.

Egal, wie sehr ich mich selbst lieben mag – und ich glaube, ich bin tatsächlich ich in der Lage dazu – ersetzt nichts das Gefühl, von einem Menschen gebraucht zu werden. Und so wichtig mir meine Freunde auch sind, und so viel Freude sie mir bringen, denke ich, das sie mir das, was ich unter Glück verstehe, nicht geben können.

Was mir jetzt bleibt, ist wohl mich damit abzufinden und zu hoffen, irgendwann mein Glück zu finden.

Bis dahin leb‘ ich einfach zufrieden – zur Not auch bis an mein Ende. 😉

Die unsichere Narzisstin


Ich erzähle euch heute ein wenig über meine kombinierte Persönlichkeitsstörung. – Richtig: Wenn ihr die Nase voll habt, von Situationsberichten, Rumgeheule und Mitleidsgehasche, dann könnt ihr diesen Artikel jetzt schließen.

Für alle anderen bringe ich zunächst einmal ein wenig Sex in die Sache: Ich befinde mich nämlich soeben in der Badewanne. Genau genommen, nehme ich ein Erkältungsbad, schwitze, wie ein Schwein und langweile mich. Aber immerhin – ich bin nackt. #NichtDafür

Kombinierte Persönlichkeitsstörung. Da sagt der Name schon viel, aber doch kann das alles Mögliche sein. Es gibt geschätzt wahrscheinlich an die hundert Arten von Persönlichkeitsstörungen. Denn es ist nicht, wie viele verwechseln, immer eine Schizophrenie oder Psychose. Nein – eine Persönlichkeitsstörung beginnt viel bescheidener.

Vor einer Diagnose erfolgt zunächst einmal die Diagnostik. Das bedeutet, knapp 300 Fragen in mehreren Fragebögen beantworten, 2 bis 5 Gespräche zu verschiedenen Lebensbereichen führen und am Ende bekommt man, wie bei einer Prüfung, sein Ergebnis mitgeteilt und ausgewertet.

Klingt nach Arbeit – ist aber erst die Vorstufe zur wirklichen Arbeit. Wobei ich sagen muss, dass einen so eine Diagnose, trotz vorheriger Erwartungen, bereits ziemlich umhauen kann.
– Womit ich auch nicht gerechnet hätte! Denn, passend zu meiner Diagnose (oder vielleicht auch völlig normal), wäre ich von einer weniger katastrophalen Nachricht wohl äußerst enttäuscht gewesen.

Meine Diagnose lautete nun also: Rezidivierende (wiederkehrende) Depression und kombinierte narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Narzisst? – Autsch! Natürlich musste ich mir eingestehen, dass es so sein muss. Es aber von jemand anderem zu hören war..  nun, es fühlte sich ein wenig an, wie ertappt zu werden. Denn dieser Teil meiner Persönlichkeit spielt sich wirklich nur in meinem Inneren ab und es dürfte niemanden in meinem näheren Umfeld geben, der mich einen Narzissten nennen würde. Die meisten würden mich nicht mal für besonders egoistisch halten. Bin ich aber. Und eben mehr als das.

Definition ‚Narzisst‘ (Quelle: der Einfachheit halber Wikipedia):

Narzisstische Personen sind gekennzeichnet durch einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, was sie mit einem großartigen äußeren Erscheinungsbild zu kompensieren versuchen[12]. Häufig hängt das mit ihrem brüchigen Selbstwertgefühl zusammen. Die Goldene Regel „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ ist Narzissten fremd. Sie behandeln Mitmenschen so, wie sie selbst nicht behandelt werden möchten. Sie besitzen einen Blick für das Besondere, können leistungsstark (in Schule, Beruf, Hobby) sein und haben oft gepflegte und statusbewusste Umgangsformen.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich für diese Diagnose geschämt habe?

Nun habe ich aber inzwischen gelernt, dass man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nicht als das Gleiche, wie einen Narzissten im umgangssprachlichen Gebrauch verstehen darf.

Auszug aus einer Erklärung der ’narzisstischen Persönlichkeitsstörung‘ (Quelle: http://www.narzissmus.net/?p=215):

[ein] Mensch[en], dessen Umwelt und Partner ihm hauptsächlich als Lieferanten narzisstischer Bestätigung dienen. Selbstverstärker wie Labels, Luxus, Statussymbole und Besitz federn sein labiles Ego ab. Werden andere Menschen als zurückweisend wahrgenommen, ist es meist der narzisstische Charakter selbst, der andere abweist. Eher ist er dazu bereit, sich einzuigeln und sich sogar selbst zu verletzen, als sein grandioses Selbst aufzugeben.
Seine Maxime “Ich brauche andere nicht” ist immer von der Klage begleitet: “Keiner liebt mich.”
Narzissmus-Patienten lassen sich mangels eines inneren Prinzips von Stimmungen, von Sinneseindrücken und vom Zufall eher leiten als von eigenen Plänen. Ihre Depressionen und Ängste, ihre Antriebslosigkeit und das zwanghafte, ängstliche Kreisen um die eigene Person steigern sich im schlimmsten Fall zu selbstzerstörerischen Handlungen, wie Essensverweigerung, Drogensucht oder Selbstmordversuchen.

Um euch das mal mit meinen Worten anhand meiner Gedanken zu erläutern:
Ich kann die Fragen, die in etwa lauten „Haben Sie das Gefühl, dass andere Sie wegen Ihres Aussehens beneiden?“ und „Finden Sie sich abstoßend?“ beide mit ‚ja‘ beantworten, ohne dabei zu lügen.

Und im Grunde ist das der ganze Kern dieser Störung. Und wenn ihr mich fragt, sagt er einfach nur aus, dass ich ziemlich Banane bin!

Aber was soll ich machen? Ich fühle beide Antworten gleichermaßen. Ich kann nicht nur eins von beidem empfinden. Ich kann es nacheinander und sogar zeitgleich empfinden. Im Grunde glaube ich, finde ich mich gar nicht wirklich beneidenswert – ich hoffe nur anhand der Reaktionen, die ich von anderen bekomme, dass ich es vielleicht bin. Wobei ich, wenn es um bestimmte Fähigkeiten, Talente o.ä. geht, schon des öfteren überzeugt bin, sie zu besitzen. Und dann bin ich über die Maßen enttäuscht, wenn wieder jemand anderes gelobt wird und im Mittelpunkt steht, wo ich es doch verdient hätte. Aber habe ich das? Ist es nicht nur meine subjektive Wahrnehmung, dass ich gut bin? Bin ich vielleicht gar nicht gut?
Und hübsch? Nein. Ich finde mich – und das meine ich ganz ehrlich – nicht hübsch!
Und immer, wenn mir jemand sagt, ich wäre hübsch, möchte ich ihn schlagen, weil er mich daran erinnert, dass ich mich selbst hässlich fühle. Warum? Weil ich eben einfach nicht meinem eigenen Ideal entspreche. Um genau zu sein, meinen Idealen. Und die sind teilweise so gegensätzlich, dass ich denen auch gar nicht entsprechen kann. Mein Verstand ist durchaus in der Lage, das zu verstehen. Aber leider kann ich das, was ich empfinde – den Neid, die Enttäuschung, die Abscheu, nicht abstellen.

Wenn ich mich dann also in meiner Spirale aus Abscheu, Neid und Traurigkeit über fehlende Bewunderung und Anerkennung befinde, wünsche ich mir einfach nur, „gesund“ zu sein. Nicht mehr denken zu müssen und endlich aus dem tiefsten Inneren heraus Spaß und Freude zu empfinden und nicht damit beschäftigt zu sein, darüber nachzudenken, ob mich nun jemand toll findet bei dem, was ich mache, oder nicht. Denn immer, wenn ich mich bei diesem Wunsch erwische, hasse ich mich.

Warum ich mich als krank ansehe, wo doch alle Menschen solche Gefühle genauso kennen? Wegen der Menge. Es heißt ja bekanntlich, die Masse macht das Gift. Und so ist es auch hier. Dass jeder mal an sich zweifelt, sich nicht mag, überlegt, was andere von ihm halten, ist wahrscheinlich normal. Es permanent zu empfinden und sein Leben danach auszurichten – also Situationen oder Menschen deswegen zu meiden – das ist nicht normal. Das ist „krank“. Deswegen spreche ich davon, gesund sein zu wollen. Ich will nicht mehr von meinen Gedanken eingeschränkt werden.
Aber wie ich schon sagte: Die Diagnose ist nur der erste Schritt vor der eigentlichen Arbeit.

#isjairre


Wenn man erstmal begriffen hat, dass die Ursache für körperliche Leiden öfter die Psyche ist, als der Körper, wagt man nicht mehr, ‚Psychische Krankheit‘ in Anführungszeichen zu schreiben.

Und der Weg, sich eine Diagnose zur Selbstzuordnung stellen zu lassen, ist der Gleiche wie der, warum ich zum Arzt gehe und abklären lasse, ob mein Bein gebrochen ist, oder nicht: Um es hinterher bestmöglich behandeln zu können. Gehe ich einfach davon aus, es ist nicht gebrochen, laufe ich einfach unter Schmerzen weiter und es wird nie richtig heilen.

Ich bin überzeugt, dass die Psyche über dem Körper steht. Natürlich ist eine psychische Krankheit nichts, womit man sich anstecken kann, wie Fußpilz. Aber sie ist durchaus in der Lage, mich an einem Schnupfen erkranken zu lassen, wenn ich nur überzeugt genug bin, einen zu bekommen.

Viele Menschen haben so lange keinen Respekt vor der Psyche, weil sie sie nicht greifen können, bis sie am eigenen Leib erfahren, was eine Depression ist. Wenn sie Glück haben, ist es „nur“ eine Depression und keine schwieriger zu behandelnde psychische Erkrankung und sie schaffen es, sie zu überleben.

Schade, dass es oftmals erst notwendig ist, diese Erfahrung zu machen, um den nötigen Respekt aufzubringen. Denn ich wünsche diese Erfahrung niemandem.