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Ich, mein bester Feind


Man soll sich selbst lieben, um geliebt zu werden – bla bla. Um ehrlich zu sein, finde ich das übertrieben. Wer sich selbst liebt, kann meiner Meinung keinen anderen Menschen lieben. Für mich bedeutet Liebe, eine Person zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen. Bis zur Selbstaufgabe. Würde ich hier von der Liebe zu meinem Kind sprechen, würde vermutlich keiner etwas dagegen einwenden. Spreche ich aber von Partnerschaft, ist es auf einmal völlig falsch so zu lieben. Warum? Wozu Liebe, wenn nicht 100%? Wozu Liebe, wenn ich genauso gut alleine klarkommen kann? Die Liebe, die ihr als „Ideal“ beschreibt, ist in meinen Augen verlogen und egoistisch. Weil sie euch nur als „Gesellschaft“ dient. Weil ihr zwar gut und gerne allein sein könntet, es zu zweit aber einfach lustiger ist. Für mich ist Liebe das Leben für einen anderen Menschen. Mit allem, was ich tue, bei ihm zu sein und ihn zu berücksichtigen. Und ihn genauso zu brauchen. Ich will einen Partner im Leben, weil ich ihn brauche. Weil ich mich alleine unglücklich und verloren fühle in dieser Welt. Denn diese Welt ist egoistisch und kalt. Das gesamte Universum ist gleichgültig. Es gibt keinen Sinn im Leben, außer dem Fortbestand und der Weiterentwicklung. Und das nur durch einen Zufall.

Sein Leben mit dieser Erkenntnis allein zu bestreiten ist wahnsinnig deprimierend und frustrierend. Deswegen suchen wir uns Begleiter, denen wir einen Sinn in unserem Leben anheften können. Je mehr wir jedoch nach dieser Person suchen, je verzweifelter wir in dieser Welt sind, desto schwerer wird es und desto weniger wollen Menschen mit uns zu tun haben. Weil wir als „anstrengend“ empfunden werden. Im Grunde liegt die Erfolgschance für eine Partnerschaft also nicht bei der Liebe zu uns selbst, sondern bei der Gleichgültigkeit gegenüber dem gesamten Leben. Menschen, die sich keine Gedanken über Sinn oder Unsinn machen und einfach nur tun, was von ihnen verlangt wird und dabei noch etwas Schönes daran finden können.

Ist man dazu jedoch nicht in der Lage, ist man dazu verdammt, alleine mit seinen Sorgen und Zweifeln zurechtzukommen. Quasi als Strafe dafür, das System anzuzweifeln. Und schon beginnt der Teufelskreis aus Einsamkeit, Selbsthass und Verzweiflung. Denn man wird dazu verdammt mit der Person, die man ist, allein zu sein. Die Person, die Schuld daran ist, dass man allein ist, weil sie einem all diese Dinge von fehlendem Sinn erzählt hat. Und um das je zu ändern, soll man diese Person nun lieben lernen. Die Person, die der Grund für alle Zweifel und Ängste ist. Plötzlich soll man ihr dankbar sein und froh darüber, dass es sie gibt. Sie bewundern und wertschätzen. Das ist so, als müsste man seinem ärgsten Feind dafür danken, dass er einen stets gemobbt und beleidigt hat. Die Aussicht darauf, mein restliches Leben mit dieser Person verbringen zu müssen, ist alles andere als ermutigend für mich.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie sich multiple Persönlichkeitsstörungen entwickeln, aber gerade fühlt es sich so an, als würde ich mich spalten. In ein inneres und ein äußeres Ich. Ich fühle mich, als wäre ich gefangen in meinem äußeren Ich und dem ausgeliefert, was es tut. Als müsste mein inneres „wirkliches“ Ich stets mit den Konsequenzen leben, die mein äußeres, handlungsfähiges Ich, verursacht. Und als hätte es keinerlei Kontrolle über das, was es tut. Mein inneres Ich kann nur reden. Es ist mein Gewissen. Aber es kann das äußere Ich nicht kontrollieren. Wie ein Roboter, der außer Kontrolle geraten ist und ein Eigenleben entwickelt hat.

Ich müsste eine Therapie machen, ja. Da ich jedoch weiß, dass diese bezweckt, mich in eine gleichgültige Maschine zu verwandeln, die aufhört, Dinge zu hinterfragen und stattdessen die schönen Dinge im Leben genießt, habe ich Angst davor. Angst, mich zu verlieren. Zusätzlich ist mir auch völlig unklar, wie Gedanken meine Emotionen beeinflussen sollen. Ich weiß schließlich bereits jetzt, was ich in bestimmten Situationen empfinden sollte. Aber egal, wie viele logische Argumente ich mir vorlege – an dem schmerzenden Gefühl von Enttäuschung und Abweisung ändert das rein gar nichts.

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Artikel irgendeinen Sinn ergibt, oder überhaupt etwas aussagt. Alles, was ich empfinde ist Verwirrung und Unklarheit, was ich eigentlich will und wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht, ob sich alles ändern würde, wenn ich jemanden finde, der mich liebt, oder ob es alles komplizierter machen würde. Ich fühle mich einfach allein und irgendwie ausgeschlossen. Hauptsächlich ausgeschlossen, weil ich nicht die gleiche Freude für manche Dinge empfinden kann, wie andere. Sie erscheinen mir einfach so bedeutungslos in diesem großen schwarzen Loch von Universum. Und ich weiß nicht, wie ich das ändern soll.

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Alles, was wir erreichen können, ist Zufriedenheit


Seit einem Jahr suche ich nun nach dem Glück. Damit meine ich nicht, dass ich nach der großen Liebe suche, sondern ich suche das Glück in mir. Ich suche danach in meinen Leistungen, in meinem Aussehen, in meinen Talenten, in meinen Freunden, in meinem Zuhause, in meiner Disziplin, in meiner Arbeit, in meiner Zukunft. Aber alles, was ich finden konnte, war ein gewisser Grad an Zufriedenheit. Ich habe alle meine Pflichten termingerecht erledigt, mich meiner Talente erfreut, meine Leistungen begutachtet, mein Aussehen bewundert, war dankbar für meine liebevollen Freunde. All das hat mir überaus schöne Gefühle beschert: Ruhe, Gelassenheit, Harmonie. Aber kein Glück. Auch, wenn also alles buchstäblich perfekt ist, bleibt an der Stelle, an der ich Glück erwartet habe, ein leerer Fleck.

Ich habe mich also gefragt, ob wir wirklich fähig sind, ohne Liebe Glück zu empfinden. Und ich glaube nicht.

Glück ist für mich ein Leuchten im Herzen und der Drang, viele tolle Dinge zu erleben. Aber nicht nur zu erleben, sondern auch zu teilen. Und zwar nicht mit irgendwem zu teilen, sondern mit einer Person, die uns näher steht, als alle anderen. Glück ist für mich das Gefühl zu haben, ein Teil von jemandem zu sein, den niemand ersetzen kann. Das könnte auch die Liebe zu seinen Kindern sein. Aber da kann ich nun nicht aus Erfahrung sprechen.

Egal, wie sehr ich mich selbst lieben mag – und ich glaube, ich bin tatsächlich ich in der Lage dazu – ersetzt nichts das Gefühl, von einem Menschen gebraucht zu werden. Und so wichtig mir meine Freunde auch sind, und so viel Freude sie mir bringen, denke ich, das sie mir das, was ich unter Glück verstehe, nicht geben können.

Was mir jetzt bleibt, ist wohl mich damit abzufinden und zu hoffen, irgendwann mein Glück zu finden.

Bis dahin leb‘ ich einfach zufrieden – zur Not auch bis an mein Ende. 😉

Vielleicht bin ich erbärmlich, aber!


Ja, ich freue mich über Bestätigung. Ja, ich hoffe und warte auf Bestätigung. Nein, ich glaube Menschen nicht, dass sie dahingehend anders sind. Aber ich weiß inzwischen auch, warum ich so bin und warum ich die Bestätigung schon fast brauche, um durch den Tag zu kommen. Ich finde das in keinster Weise gut, aber noch bin ich in der Phase der Akzeptanz. Und mein Problem zu akzeptieren ist der erste Schritt, etwas daran ändern zu können. Und ich habe auch verstanden, dass ich deswegen kein schlechter Mensch bin und dass das auch andere nicht von mir denken (sollten). Menschen, die mich kennen. Trotzdem beschäftigt es mich und trotzdem wird es mich mein restliches Leben begleiten. Darauf scheißen, was andere von mir denken? Kann ich nicht. Ich habe auch nicht die Hoffnung, dass ich es irgendwann kann. Aber ich hoffe, anders damit umgehen zu können. Vielleicht kann ich mich dann mit fremden Menschen unterhalten und ihnen von mir erzählen, ohne mich ich wegen meines bisher wenig erfolgreichen Lebens zu schämen. Und auf Partys gehen, auf denen Menschen sind, die ich bewundere, ohne vor Komplexen zu sterben und wegen innerer Hassmonologe die Party zu verpassen.

Und wenn vielleicht mehr Leute so peinlich ehrlich wären, wie ich, müsste ich mich vielleicht nicht fragen, ob sie mich doof finden. Weil ich es dann wüsste.

Aber ich würde euch nicht raten, so ehrlich zu sein, wie ich. Es bringt euch nicht besonders weit.

Die Gewissheit liebt die Krankheit – oder andersrum?


Ich bin krank. Ich weiß das. Und ich habe mich damit ganz gut abgefunden. Nicht so krank, dass ich sterbe. Nicht körperlich krank. Und auch nicht so krank, dass ich mich umbringen werde. Ich werde mir nicht die Pulsadern aufschlitzen, mich erhängen oder mit dem Föhn in der Badewanne brutzeln. Wenn doch, dann war es ein Versehen.
Aber leider ist das Teil meines Problems.
Ein Beispiel, das dieses Problem erläutern könnte: Als ich vorhin auf der Toilette war und gesehen habe, dass nur noch zwei Rollen Toilettenpapier da sind, schoss es mir für eine zehntel Sekunde durch den Kopf, dass meine Mitbewohnerin absichtlich nur eine halbe, aufgerissene Packung Toilettenpapier geholt hat, damit mein Freund und ich schneller wieder dran sind, welches zu kaufen. Und für eine hundertstel Sekunde fühlte sich dieser Gedanke so durch und durch logisch und wahrhaftig richtig an, dass ich das Gefühl hatte, die ganze Welt mit einem Mal verstanden und durchschaut zu haben. Dann habe ich überlegt, wo man halbe, aufgerissene Packungen Toilettenpapier kaufen kann… Sagen wir, ich habe mit mir selbst Stillschweigen über diesen Gedanken vereinbart. Natürlich ist mir bewusst, dass ich soeben gegen dieses Abkommen verstoße. Aber ich kenne mich mittlerweile nach 24 gemeinsamen Jahren so gut, dass ich mir sicher bin, dass ich mir verzeihen werde.
Solche sekündlich andauernden Logiken schwirren nun täglich zu Hunderten in meinem Kopf herum. Es kann schon verwirrend sein, wenn man nie sicher ist, ob man sich selbst trauen kann. Denn es kommt vor, da ist der Mund genauso schnell, wie der Gedanke. Dann kann es schon mal unangenehm und peinlich werden. Immerhin, mein Freund liebt mich trotzdem. Möglich, dass er sich darüber bewusst ist, dass ich krank bin. Wenn ja, möchte er es sich wahrscheinlich noch nicht eingestehen. Er hat noch Hoffnung. Ich nicht. Schlimm ist, dass ich nicht schlimm genug krank bin. Denn das Schlimmste ist, es zu wissen und, weil man weiß, dass es nicht schlimm genug ist, nichts dagegen tun zu können.
Ich kann nur darüber schreiben. Das hilft erstens meinem Selbstwertgefühl, denn wenn ich schreibe, spiele ich eine Rolle. Ich stelle mir vor, ich wäre eine fantastische Schriftstellerin und, hätte ich nur die richtige Idee für ein Buch, würde ich richtig groß rauskommen. Es geht also um Anerkennung – natürlich. Aber wenn ich ehrlich bin, hilft es mir auch, alles ein klein wenig zu sortieren und gefiltert durch ein Ventil nach draußen zu lassen. So habe ich für kurze Zeit das Gefühl einer angenehmen Leere in meinem Kopf. Wenn ich Glück habe, hält das bis zu ein paar Tagen an.
Gegen die Krankheit hilft das Schreiben aber nicht. Es macht sie, ganz im Gegenteil, noch schlimmer. Denn wenn ich über die Krankheit schreibe, stelle ich sie vor mir auf und nehme sie auseinander. Ich betrachte jedes kleine Detail von ihr ganz genau und beschreibe es. So kann ich sie dann auch nicht mehr leugnen. Womöglich sehe ich auf die Weise sogar Teile meiner Krankheit, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Das Schreiben ist also ein Pakt mit dem Teufel. 7 Tage verspricht er dir Ruhe und Zufriedenheit. Aber wenn die Zeit vorbei ist, sind die Sorgen, dass du verrückt bist, noch größer.
Ich lebe nun mittlerweile 15 Jahre mit der Vermutung, und 2 Jahre mit der Gewissheit, dass ich krank bin.
Die Krankheit hat viele Namen. Sie heißt „Macken“, „meine 5 Minuten“ und „Selbstzweifel“.

Anfang und Mittelteil von Etwas, das auf ein Ende wartet – Zwischenstopp im Halteverbot


Es sieht aus, wie das Ziel, aber es fühlt sich an, wie der Anfang. Der Tag sieht aus, wie Alltag. Aber die Woche fühlt sich an, wie Ohnmacht. Ohne Sinn. Tagein, tagaus die selben Regeln. Aber keine davon sind die Richtigen. Die Regeln für`s Leben. Die Regeln, die bestimmen, dass dein Leben gut ist. Alles ist verdreht und passt nicht so recht. Puzzleteile, die aufeinander liegen und ein verschwommenes Bild von dem ergeben, was es sein soll, aber sie passen nicht ineinander. Hin und wieder passen zwei – aber das Dritte und Vierte haben die falschen Enden.
Du hast deine Vorstellung von diesem Bilderbuch-Leben. Doch was du hast, ist ein Rahmen, der zu groß ist – das Bild passt nicht hinein. Es wackelt.
Wie soll man beschreiben, was nicht greifbar ist? Glück. Glück ist die Abfolge vieler Dinge, die mich glücklich machen. Aber sind die Dinge, die sich täglich aneinander reihen, Dinge, die mich glücklich machen? Oder vielleicht machen sie mich glücklich, sind am Ende aber falsch. Und sie ergeben nur ein großes Unglück. – Plus und Plus gleich Minus.

Anstrengend, die Gedanken zu fassen. Hab ich ja auch nie Zeit dafür. Denn es ist immer jemand da, der die Gedanken festhält und sie auf sich lenkt. Und wenn ich dann alleine bin, bin ich von viel zu vielen nicht gedachten Gedanken überfordert. Ich kann überhaupt nicht mehr alleine sein. Bin ich nicht allein, vermisse ich die Einsamkeit. Bin ich dann allein, vermisse ich Gesellschaft. Ich kann nicht denken. Ich will das Alleinsein auskosten, aber es ist nichts da, das schmecken würde. Zeit fühlt sich an, wie Nadelstiche, die zu jeder Stunde schmerzen, wenn sie mich in die Seite pieken um zu zeigen, dass ich sie nicht nutze während sie viel zu schnell vorübergehen.
Das Problem an so viel Zweisamkeit ist doch, dass am Ende nichts mehr bleibt, was dir gehört. Und dann fängst du an die kläglichsten Sachen zu verheimlichen. Du hast ein schlechtes Gewissen – aber sie gehören dir. Und dann wirst du träge. Immer alles zu erzählen – Was hast du gemacht? – Wie war die Arbeit? das strengt an. Es strengt wahnsinnig an. Und innerlich die schönsten Monologe. Aber sie scheinen nicht durch die Lippen zu passen. Wenn du sie ausspukst sind sie nur noch ein unförmiger Klumpen Ereignislosigkeit für den du dich schämst. Also steckst du ihn zurück, bevor ihn einer sieht. Dein Leben ist ja auch nicht so aufregend. Was passiert da schon. Aufstehen, Arbeit, Feierabend, Alltagstrott und dann Schlafen. Es ist egal, ob es anderen genauso geht. Wenn sie es dir erzählen interessiert es dich kaum. Aber es ist mehr wert als alles, was du erzählen kannst. Aber du erinnerst dich, dass dich erst heute etwas völlig aus dem Häuschen gebracht hat. Am liebsten hättest du es gleich allen erzählt. Aber du siehst sie ja erst in ein paar Stunden. Und eine Stunde später ist es schon wieder unwichtig.

Das Problem an zu viel Verschwiegenheit ist ja, dass irgendwann keiner mehr da ist, der darauf wartet von dir zu hören.

Wir denken zu viel und glauben zu wenig


Geteilt: Beitrag in Zusammenarbeit mit dem ehrenwerten @HerrBohm

Wir lernen immer wieder Menschen kennen, von denen wir vom ersten Augenblick an hoffen, sie könnten diese sogenannten ‘Freunde füs`s Leben’ werden. Wir stellen uns die gemeinsame Zeit miteinander vor, gegen die die Tagträume von J.D. wie die schwarz-weiß Erstverfilmung von King Kong anmuten. Wir planen insgeheim bereits das Auskatern am Strand von Mallorca, die Wettrennen auf Kängurus in Australien und die Posen für die Erinnerungsfotos auf der Freiheitsstatue. Diese Zeit wird die Zeit unseres Lebens! Ja.. Und dann treffen wir auf Menschen des anderen Geschlechts, die uns aus irgendeinem Grund auch sexuell anziehen und plötzlich sind unsere Gedanken vollgestopft mit Rohbauten von Traumhäusern, Farbfächern und Strukturtapeten, Möbelkatalogen, stinkenden Windeln und Babygeschrei. Was ist passiert? Wir denken nicht mehr an das tolle Leben mit all seinen Möglichkeiten und dem irrsinnigen Spaß. – Wir überlegen, ob er der Richtige ist. Der Mann, den wir behalten wollen, mit dem wir den Alltag meistern können und der der liebevollste Vater der Welt für unsere 2,3 Kinder und den Hund ist. Wir schauen ihn uns genau an. Wie er sich bewegt, was er sagt. Kann er sich im Leben durchsetzen? Wird er einen sicheren Beruf haben? Können wir mit den kleinen Macken leben, die ihn irgendwie weichlich erscheinen lassen?
Warum ist nicht die Frage wichtiger, ob wir die gleichen Filme und Serien mögen, oder der Kleinkrieg um die Fernbedienung schon vorhersehbar ist? Ob er trinkfest genug ist, um uns noch sicher nach Hause zu bringen, wenn wir längst unter dem Tisch liegen? Warum zählt nicht, dass er jederzeit nackt mit in irgendeinen Brunnen der Stadt springen würde?
Anstatt die Zeit des Kennenlernens zu genießen, stellen wir uns fast täglich die Frage „Kann ich ihn lieben? Fehlt er mir wirklich, oder ist es nur die Gewohnheit? Passen wir zusammen?“ Es gibt diese Männer, die uns umwerfen, die jede Zelle unseres Gehirns und jede Sekunde unserer Zeit ausfüllen, die wir nutzen, ihn anzuschmachten. Bei ihnen haben wir das Gefühl, wir platzen vor Liebe, wenn wir sie betrachten. Aber ist das richtig? So eine Liebe macht einen in den meisten Fällen kaputt. Immer das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die Angst, er könnte sich jederzeit in eine andere verlieben und eine andere in ihn – er ist ja schließlich der Mann schlechthin! Aber sobald wir uns bei einem Mann wohlfühlen, uns geliebt und geachtet fühlen, uns sicher sind, dass er uns die Sterne vom Himmel holen wird – also plötzlich genau das bekommen, was wir verdienen, zweifeln wir an den eigenen Gefühlen. Wir denken zu viel nach, schauen in die Fenster unserer Nachbarn, begutachten das Essen am Nebentisch und erschnüffeln auf dem Klo die Marke des Vorgängers und fangen an zu vergleichen. „Wenn meine Freundin mit ihrem Freund schon so lange glücklich ist, dann muss ich mir auch so einen Menschen suchen, damit ich glücklich werde. Vielleicht muss ich mich einfach mal zwingen, den Richtigen zu lieben. Ich weiß ja eigentlich genau, wie er sein muss. Liebe kann sich ja auch entwickeln…“

„Wir glauben zu viel, und denken zu wenig.“ – Herr Bohm.

„When you’re friends say: What is it? You look like you saw a ghost“

Die Tür geht zu. Dann ist sie weg. Sollte das jetzt nicht weh tun? Sollte sich in mir nicht dieses Gefühl des Brennens regen, das eigentlich immer an diesem Punkt kommt? Die unendliche Sehnsucht? Wo ist sie hin? Die Uhr zertickt die Stunden, nichts passiert. Und ich frage mich: Wie kann das sein?

Diese Anfänge waren immer etwas Besonderes: Der erste Kuss, die erste Nacht, die ersten Tränen und das erste Lachen. Fühlt sich so Gewohnheit an? Wie grausam, denke ich, während ich die Zigarette anzünde. Ist die Glut nicht viel kälter, als sie sein sollte? Diese ganzen Erinnerungen: Würden Sie doch wie kalte Asche einfach abfallen, aber: Das geht ja nicht, das geht ja nicht, das geht ja nicht.

Warum auch? So ein Denkarium, wie es Dumbledore hat, das wäre sicher manchmal ganz praktisch: Die Erinnerung an etwas Schlechtes einfach hinein tun, den Schmerz vergessen. Aber wozu? Um den selben Fehler nochmals zu machen? Wie Nietzsche das beschreibt, in seiner ewigen Wiederkehr? Wie zynisch wäre das: Ein Fehler, der sich in seiner Perfektion auf das Ewige wiederholt, von dem wir aber nicht mehr wissen, weil er abgelegt ist. Und noch viel schlimmer: Wir können uns diesen Fehler immer wieder ansehen, wir können aber nichts anders machen: Er wird ewig stehen bleiben. In seiner ganzen Ästhetik.

Sie ist also gegangen, für den Moment. Und wird wiederkommen. Und wir werden uns küssen. Aber es wird nie wieder das Selbe sein. Weil wir nicht mehr die Selben sind. Weil ich nicht mehr der Selbe bin.

Vielleicht bin ich Peter Pan. Dann ist sie meine Wendy. Ein Märchen. Denke ich. Oder glaube ich. Wer weiß das schon.

Besucht Herrn Bohm auf seinem Blog.

Irgendwo zwischen überfordert, enttäuscht und gelangweilt…


Es gibt genau eine Person, die mich versteht und mir nichts vorwirft, was ich falsch mache. Die Verständnis hat für Dinge, die ich „ertragen“ muss, mit denen ich irgendwie zurechtkommen muss, die andere nicht sehen oder einfach nicht nachvollziehen können. Sie bemitleidet mich deswegen keineswegs, sie sagt mir aber, dass ich es toll mache, wie ich damit umgehe. Und sie sagt mir, was ich machen kann – und irgendwie auch nicht. Irgendwie weiß ich es selbst und sie weiß, dass ich im Moment nicht alles so schaffe, wie ich es will und sagt mir, dass es ok ist. Es ist ok, kleine Schritte zu machen.
Alle anderen scheinen diese Geduld nicht zu haben. Sie scheinen nicht zu verstehen, wie viel Kraft mich ein für sie normaler Tagesablauf kostet. Der Kopf will, aber der Körper schafft es nicht und sagt „ich will schlafen, frag mich morgen wieder“. Ich kann dagegen ankämpfen, aber wirklich effektiv nutzen kann ich die Zeit nicht, denn auch der Kopf streikt nach einer Weile. Tausend Gedanken, die auf mich zu rasen und ich kann die Information einfach nicht ordnen. In meinem Kopf herrscht Chaos und gleichzeitig ist da eine Leere, die nichts ausfüllen kann. Es ist, als würde mir etwas fehlen, ein entscheidendes Puzzleteil, das so winzig ist, dass ich es übersehe, aber dabei so wichtig, dass es mein Leben vollständig machen würde. Ich suche es in Aufgaben. In Dingen, die ich erledigen muss und kurzzeitig ist es, als ob es in Ordnung wäre. Aber sobald ich etwas fertig habe, stehe ich vor der riesigen Mauer mit der Aufschrift „Anfang deines richtigen Lebens“, die ich einfach nicht überwinden kann. Manchmal gelingt es mir, mit kurzen Sprüngen einen Blick auf die andere Seite zu erhaschen und ich weiß, was ich tun kann. Aber dann kommt etwas Unvorhergesehenes und setzt noch einen weiteren Ziegel auf die Mauer.

Viele fragen sich, was mit mir los ist, wo ich bin. Denn bei ihnen bin ich selten.
Ich bin bei mir. Einfach nur bei mir. Und es tut gut! Aber ich bin auch einsam… Mir fehlt ein Mensch, den ich anschauen kann und der genau sieht, wie es mir geht, ohne dass ich reden muss. Der jedes Detail meines Lebens kennt, dem ich nichts erklären muss und der weiß, was ich brauche, wenn etwas passiert. Aber davor, diesen Menschen zu suchen, habe ich mehr Angst, als vor all diesen schlimmen Sachen, die sich „Bürokratie“, „Behörden“ „Arbeit“, „Geld“ … nennen. Denn die können mich ablehnen – aber treffen sie mich damit nicht ins Herz. Kurzzeitig können sie mich zwar verunsichern, aber ich kann an ihren Aufgaben wachsen, denn ich bin bei ihnen kein Mensch, sondern nur eine „Sache“, die bearbeitet wird. Dieser Mensch, jedoch, würde sehen, wie menschlich ich bin und wie fehlerbehaftet. Dass ich nach dem Aufstehen alles andere als Hübsch aussehe, dass ich Angst habe, mehr als alles andere, ihn zu verlieren, ihm nicht zu genügen, ihm nicht gerecht zu werden, falsch zu handeln, falsche Entscheidungen zu treffen. Dass ich manchmal faul bin und pessimistisch. In manchen Dingen. Erstmal! Denn dann kommen meine guten Seiten. Aber bisher hat keiner Interesse daran, die zu sehen und überhaupt bis zu diesen vorzudringen. Manchmal ist es deren Schuld, und manchmal meine. Für die einen bin ich die Unnahbare, an die einfach kein Rankommen für sie ist, weil ich es leid bin, zu sprechen – zu erklären, was ich nicht erklären kann. Und für die anderen bin ich die naive, aufopfernde, anschmiegsame und fast bettelnde Liebende. Vor ihnen stehe ich dann und nutze, ohne etwas dagegen tun zu können, jedes Wort ihrer Ablehnung als Klinge, um ihnen vor ihren Augen ein weiteres Stück meines Herzens herauszuschneiden, um es ihnen auf dem Silbertablett zu präsentieren. Das macht ihnen Angst und bewirkt, dass sie vor mir weglaufen, weil sie mir nicht im Ansatz geben können, was dem, was ich ihnen biete, gerecht wird.

Aber in erster Linie sehne ich mich nach dem „Leben“. Sei es dieser Mensch oder eine andere Sache, die es ausfüllt. Mir ist trotz der häufigen Überforderung so unsagbar langweilig, dass ich fast wahnsinnig werde! Ich glaube aber, dass ich noch eine Menge Geduld aufbringen muss, um diesen Punkt zu überwinden. Die einen nennen es „mit sich selbst im Reinen sein“, die anderen „zur inneren Mitte finden“. Nun – ich halte sowohl Reinigunsmittel, wie auch Navi bereit! Nur bisher führt es mich hin und wieder auf den falschen Weg – bleibt zu hoffen, dass ich immer wieder auf den richtigen Weg zurück finde und irgendwann ans Ziel komme…