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Wieder von vorn…


Mit dem ersten bewussten Gedanken des Erwachens schleicht sich die Vorahnung ins Gewissen und mit dem ersten unsicheren Blick durch die müden Schlitze, die noch Augen werden wollen, wächst die Befürchtung. Die Uhrzeit auf dem Handy, das unter dem Kopfkissen vergraben liegt, bringt die Bestätigung: Alle Arbeit der letzten Wochen war umsonst. 10:34. Seit 2,5 Stunden läuft der Termin. Verzweiflung macht sich breit, dann Erkenntnis, dass dieser Tag das vorerste Finale des voranschreitenden Scheiterns der letzten Tage ist. Ich drehe mich um und schlafe weiter.

Ich träume. Vom Krankenhaus. Eine Ärztin oder Schwester, die mich fragt, ob ich die Schmerzmittel für meinen Rücken die vollen 3 Wochen genommen habe. Ich sage, dass ich sie nach einer Woche abgesetzt habe und die Ibuprofen ja auch schon alle waren. Sie nennt mir ein Medikament, was ich wohl hätte bekommen müssen, was ich verneine und fragt mich, was ich noch bekommen habe.“Ortoton“. „Ah ja, Ortoton greift auch relativ häufig die Netzhaut an.“ – Die Netzhaut? Ich wache auf. Wundere mich, wie immer, über diese unsinnigen Auswüchse meines Unterbewusstseins und schäle mich unter der Bettdecke vor.

-12.00. Die letzen Tage und Wochen war er ruhig. Wenn ich meine Aufgaben gemacht habe, war alles in Ordnung. Heute wird er wohl maulen. –

Der Termin ist mir scheiß egal. Es geht um`s Prinzip: Du hast verschlafen, du hast es verkackt! Du hast jetzt wahrscheinlich ne Menge Ärger an der Backe. Mit dem Gefühl, dass ich bereits weiß, was mich an diesem Tag außerdem noch in meinem Posteingang erwartet, setze ich mich an den Laptop und lese mit Gefasstheit die Nachricht. „Eigentlich wollte ich mich wegen dem Termin für unser Gespräch an Sie wenden, jedoch ist die angebotene Stelle nicht mehr vakant ausgeschrieben.“ Ich google ‚vakant‘, fühle mich dumm. „Fick dich. Wo ist sie denn bitte hin, die Stelle, hm?“.

– Packe meine Wäsche und gehe ins Bad. Als ich aus dem Wohnzimmer gehe, höre ich das gehässige Zischen. – Gut, also nur Kaffee, nichts zu Essen. –

Ich würde jetzt wirklich gern weinen. Aber das wäre übertrieben. – Für die Tablette bist du wieder zu spät aufgestanden. Musst du jetzt ohne auskommen.
Es ist nur ein Job. Vielleicht wäre er gar nicht sooo toll gewesen. – Hab ich am Telefon nicht enthusiastisch genug gewirkt? Kam ich nicht qualifiziert genug rüber? Immerhin war ich nebenbei mit dem Hund beschäftigt, der dabei war, die Wiese aufzufressen. Vielleicht war ich nicht perfekt vorbereitet…
Ich stehe wieder am Anfang. Habe nichts mehr in Aussicht. Da ist jetzt nichts mehr, woran ich mich festhalten kann. Alle Chancen vertan. Und vorallem – kein Geld. Komme nicht hier raus. – Lächerlich – nicht mal Schokolade kann ich kaufen – Werde wohl einfach in dieser Stadt verrotten.

Ich füll` den Zettel aus. „A uslösende Situation – Beschreiben Sie ein Erlebnis der letzten Woche, welches zu einem negativen Gefühl führte. B ewertender Gedanke – Was ging Ihnen dabei durch den Kopf? C Konsequenz (ist wohl wieder so eine Methode aus Amerika, bei der hier C onsequence gestanden hätte) – Welches Gefühl haben Sie in dem Moment erlebt? Wie stark war das Gefühl? (von 1-ganz schwach bis 10-ganz stark)“ Hm… ‚Enttäuschung (10), Wut (6), Verzweiflung (5), Traurigkeit (10), Hoffnungslosigkeit (10).
Die nächste Situation schreibe ich auf die Rückseite. Die danach auf ein extra Blatt.

Ich muss noch die Nachweise für die Fahrtkosten wegschicken. Viel zu kompliziert gerade.
Das Institut sollte ich anrufen und nach einem neuen Termin fragen. … „Ach, Frau B. (grins) – Ja, die Kollegin heut morgen war auch durchaus etwas, nun, ungehalten. Es ist uns jetzt auch leider nicht möglich Ihnen einen neuen Termin zu vergeben. Also Sie sind nun praktisch aus unserem Programm ausgeschieden.“ „Ah, ok, gut, danke, da weiß ich bescheid.“ – Wut (10).

„Hallo Süße – wann hast du denn nun genau dein Vorstellungsgespräch und kommst her? Ich freu mich ja schon sooooo!“

Fahrschule – letzte Theoriestunde. Im Unterricht merke ich, dass ich schon wieder alles vergessen habe. Ab jetzt kann ich mich nach abgeschlossenem Unterricht jederzeit zur Prüfung anmelden.

Ich bin 22 Jahre alt. Ich habe Abitur mit 18 Jahren gemacht, habe nicht studiert und war noch nie in einem festen Arbeitsverhältnis. Ich bin 22 Jahre…

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Ich will schlafen – jetzt!


Hier eine Geschichte, von der ich nie erwartet hätte, dass sie MIR je passieren würde. Ich war schon oft betrunken, es ging mir auch schon sehr oft sehr schlecht. Ich lag auch schon auf diversen Treppen, in Garderobentüren, auf Fußböden.. Aber alles auf der Basis „ich schlafe jetzt hier, verdammt, weil es verdammt nochmal bequem ist!“ An gravierende Black-outs kann ich mich nicht erinnern. Ja, logisch! – aber ich meine doch, meine Grenze nie überschritten zu haben- ich hab ja noch nichtmal von Alkohol gekotzt, um es jetzt mal kurz auf den Punkt zu bringen! Ob das nun an meinem äußerst robusten Magen oder wirklich an meiner Selbstkontrolle liegt, kann ich nicht zu hundert Prozent sagen. Ich möchte euch hier an dieser Stelle aber dringend  davor warnen, die Wirkung von Alkohol zusammen mit Medikamenten zu unterschätzen:

Es war also an einem Freitag abend im schönen *PIEP* und wir waren, schon etwas angeshakert durch Sekt und Vodka-Maracuja, auf dem Weg ins *PIEP*. Ich wusste nicht genau, wie es sich verhalten würde, wenn ich nun weitertrinke, da ich seit Beginn der Behandlung mit gewissen Stimmungsaufhellern nicht mehr als ein oder zwei Gläser Wein, Sekt oder Bier getrunken hatte. Aber ich war der Meinung, es sollte doch gehen, da nirgends stand, ich muss komplett auf Alkohol verzichten. Nachträglich fand ich sogar die Anmerkung „Wechselwirkungen mit Alkohol sind nicht zu erwarten“ – gut, lass ich jetzt einfach so stehen. Und da ich mir sicher war, dass ich meinen Alkoholkonsum aus Erfahrung kontrollieren und meine Grenze rechtzeitig erkennen würde, machte ich mir keine weiteren Sorgen.
Sagen wir so – ich wunderte mich vielleicht ein wenig über meine Motivation, trotz vorangeschrittener Stunde und keinem außergewöhnlichen Grund, mich auf den Club zu freuen, so schnell wie möglich an unser Ziel zu gelangen. Denn normalerweise bin ich in letzter Zeit die Erste, die die Lust verlässt, nach einem schönen abend mit den Mädels auf der Couch noch irgendwohin aufzubrechen und stattdessen froh bin, einfach zu Hause ins Bett klettern zu können.

Aber so standen wir nun pünktlich am Treffpunkt, an dem wir von unserer Freundin und zwei ihrer Kumpels mit dem Auto eingesammelt werden sollten, als uns die Nachricht erreichte, dass besagtes Auto in der Polizeikontrolle steht. Aber auch das minderte meine Lust auf den Abend kein Bisschen und auch, dass die nächste Bahn erst in einer halben Stunde kam, war mir relativ egal. Wir würden schon ankommen, dachte ich und kalt war mir – der größten Frostbeule aller Zeiten – anscheinend auch nicht besonders.
Zwischendurch fiel mir an der Haltestelle jemand auf, der mir bekannt vorkam. Unsicher, ob er es war oder nicht, schaute ich ihn immer wieder an und sagte meiner Freundin, dass ich glaube, es sei mein Auftraggeber mit der wahnsinnig tollen Stimme am Telefon. Während ich ihr vorschwärmte, wie ich bei unseren Telefonaten jedes Mal dahinschmelze (die versauten Details in meinem Kopf lies ich dabei weg) meinte sie, er würde auch schon die ganze Zeit her schauen. Und somit sicher, dass er es war und er mich wohl ebenfalls erkannt haben musste, traute ich mich dann auch zu ihm rüber zu gehen. Im Nachhinein glaube ich, dass das wohl ein peinlicher Fehler war, denn, er war es zwar wirklich, aber scheinbar hatte er uns keineswegs angeschaut, weil ich ihm bekannt vorkam. Etwas überrascht begrüßte er mich also nach ein paar Sekunden, die er zur Erkennung brauchte und unsicher, wie ich selbst, deutete er nach kurzer Überlegung eine Umarmung an – war ja alles per Du bei uns. Blöderweise war mein Gleichgewichtssinn scheinbar zu diesem Zeitpunkt bereits etwas angeschlagen, so dass ich ihm bei der netten Geste erstmal auf den Fuß trat. Es folgte ein Smalltalk, begleitet von immer wieder unsicheren Blicken von ihm, die ich im Nachhinein als Zeichen seiner Scham deutete, da ich mir vorstellen kann, dass man mir einen gewissen Pegel schon ansah – größer war jedoch meine Sorge, dass man ihn auch roch. Glücklicherweise beendete seine Bahn nach 3 Minuten das Gespräch und nach 5 Minuten besorgten Grübeln, ob ich mich nun bis auf die Knochen blamiert hatte oder nicht, machten wir uns auf den Weg zur nächsten Haltestelle, da unsere Freundin im warmen Auto inzwischen einen Drogentest durchlief.

Nach weiteren Minuten des Wartens und der Nachricht, dass unsere Freundin und einer ihrer Begleiter nun allein mitten auf der Straße im Auto saßen, weil ihr Fahrer wegen nachgewiesenem Ecstasy im Blut auf die Polizeiwache entführt worden ist (ich möchte anmerken, dass ich keine Ahnung habe, wer diese Kumpels waren und mit jeglichen chemischen Drogen hatte ich auch nie was zu tun), stiegen wir also in die Bahn und fuhren allein in den wohl bekanntesten Teil unserer Stadt. Wofür dieser Stadtteil so bekannt ist, zeigt wohl auch der folgende Zwischenfall auf unserem Weg in den Club. Denn kaum aus der Bahn gestiegen, bekam ich meinen ersten Lachanfall des abends, welcher von reichlich Kommentaren unserer Mitmenschen begleitet und für meine Freundin äußerst peinlich war. Bis mir plötzlich das Lachen im Hals stecken blieb, als ich mit voller Wucht von vorne angerempelt wurde. Natürlich blieb das nicht kommentarlos von mir, was zur Folge hatte, dass der Typ genau das bekam, was er wollte – er hat es geschafft uns zu provozieren. Um das zu demonstrieren, landete meine Freundin gleich mal auf dem neben uns parkenden Auto. Da ich mit Schlägereien nun wirklich keine Erfahrung habe und ein paar Meter weiter noch sein Kumpel lauerte, beschloss ich, meine Freundin bei der Hand zu nehmen und sie wegzuziehen. Unter diversen Beschimpfungen und einem Tritt, den er mir zum Abschied noch gab, zogen wir also unbeirrt weiter. Zu dem Zeitpunkt dachten wir wirklich, das würde unser Highlight des abends werden und ich malte mir jetzt schon aus, wie ich die Situation immer wieder breit und ausgiebig vom Besten geben würde. Außer mir scheint sich allerdings, nach den darauffolgenden Begebenheiten, keiner mehr sonderlich um diesen Vorfall zu kümmern…

Im Club angekommen, entschieden wir, nach einem kurzen erfolglosen Abstecher in alle Räume um zwei Freundinnen von mir zu suchen, doch alkohol-technisch erstmal nachzurüsten. „Einen Tequila Silver, einen Tequila Gold und zwei Heineken bitte“. Danach folgte ein kurzer Gang auf die Tanzfläche. Nach den ersten Grabschereien von besoffenen Typen hatten wir aber beizeiten die Nase wieder voll und ich entdeckte auch glücklicherweise meine Freundinnen an der Bar. An den genauen Ablauf anschließend erinnere ich mich nicht mehr ganz. Ich weiß nur, dass wir noch ein Bier bestellt hatten und am Rand der Tanzfläche über irgendwelche Typen lästerten. Worauf ich meinen nächsten Lachanfall bekam. Dieser sorgte nach 10 Minuten aber für reichlich verwunderte und besorgte Blicke bei meinen Freundinnen und sie drückten mich Richtung Ausgang. Auf halben Weg standen wir mitten in einem Gerangel und mich – immernoch lachend – blickte ein fremdes Mädchen an und ich glaube, sie fragte mich, ob es mir gut geht. Ich lächelte freundlich, meinte ja und entschloss mich daher auch gleich, an Ort und Stelle zu schlafen. Was dann folgte, bekam ich nur aus weiter Entfernung mit – ich wurde von vier Händen und der Stimme meiner Freundin die Treppen des Clubs hinuntergetragen und am Eingang praktischer Weise gleich auf dem Garderobentisch abgelegt. Meine Freundin sagte mir, dass sie da sei, woraufhin ich ihre Hand drückte – zu allem anderen war ich einfach zu müde. Sie wollte mir noch eine Geschichte von ihrer kleinen Nichte erzählen, aber da wurde sie auch schon unterbrochen und ich auf eine Trage gelegt und in den Krankenwagen geschoben.