Twittern – meine Zeit für mich und doch nicht ich


Was auch immer mit mir los ist, ich mag es nicht. Ich mag es absolut nicht. Ich mag nicht, dass ich wieder rauche. Gedankenverloren und unkonzentriert bin. Statt mit Freunden, lieber alleine auf der Couch hänge. Keinen Sport machen will. Ich mag das alles nicht. Vielleicht bin ich nur schon wieder ausgepowert von den letzten Monaten. Immerhin habe ich die Klinik früher verlassen, als ich sollte. Bis jetzt ist trotzdem alles gut gegangen. Aber irgendwann wurde der Stresspegel einfach viel zu schnell wieder viel zu hoch. Und schwupps – da bin ich. In meinem Loch. Eigentlich sitze ich noch am Rand und lasse die Füße baumeln. Aber wenn ich mich nicht schnell wieder aufrappele, dann fall ich irgendwann hinein.

Und Twitter – ja Twitter macht gerade wieder sehr viel Spaß. Zu viel Spaß. Denn leider kann ich nicht beides: Twittern und leben. Ich frage mich wirklich, wie ihr das alle macht. Ich versacke einfach nur in einer virtuellen Welt, die mir gerne vorgaukelt, jemand Interessantes oder Tolles zu sein. Aber wie toll ist es denn, für eine Gemeinschaft mehr Zeit aufzubringen, als für die Welt, in der man sein Geld verdienen, seine Zukunft aufbauen und seine Ziele erreichen sollte. Ich muss aufhören damit. Ich bin zu Twitter zurück gekommen, als ich das Gefühl hatte, etwas zu vermissen, von dem ich dachte, das Internet könnte es mir geben. Leider lag ich falsch. Das Internet saugt meine ganze Energie auf und die Menschen dahinter sind mir wichtiger, als ich selbst. Ich schreibe unaufhaltsam Menschen an, die wunderbar ohne mich leben können, mich nicht kennen und versuche krampfhaft ein Teil von ihnen zu sein. So sehr, dass ich mich jeden Abend schäme und meine Frustration stetig immer weiter wächst. Ich will etwas Neues erleben, weil ich das Gefühl habe, mein Leben wäre langweilig. Vor ein paar Wochen hätte ich das niemals gesagt. Ich war zufrieden und glücklich über die tollen Menschen, die für mich da waren, als es mir schlecht ging. Und jetzt fühle ich mich ein wenig so, als würde ich sie mit Füßen treten. Das haben sie nicht verdient und das ist kein Internetmensch wert! Ich bin sicher, dass es viele großartige Menschen auf Twitter gibt. Aber deren Unterschied zu mir ist, dass sie ihr Leben außerhalb des Internets leben.

Aber wie aufhören? Wenn ich bemerke, dass ich nichts mehr esse, mache ich mir Sorgen. Aber ich finde nicht die Kraft, etwas dagegen zu tun. Wenn ich in Gesellschaft bin, fühle ich mich einsam. Ich wünsche mir dann, ich wäre umgeben von den Menschen, die die Twitterwelt mit mir teilen und verstehen, was diese Welt so faszinierend macht. Aber das geht nicht. Weil hunderte Kilometer zwischen jedem einzelnen liegen und die Harmonie doch im Grunde nur auf einer Plattform funktioniert: Twitter. Ausschnitte von Ereignissen, Gedanken und Leben beschränkt auf 140 Zeichen.

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2 responses to “Twittern – meine Zeit für mich und doch nicht ich”

  1. Riedelwerk says :

    Hat dies auf Riedelwerk.de rebloggt und kommentierte:
    twitter und seine folgen

  2. sternkratzer. says :

    Geht mir auch so…

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